Die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Zwangsstörungen

Nachdem die erste deutschsprachige evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Zwangs­störungen bereits online veröffentlicht wurde, erschien sie nun rechtzeitig zum DGPPN-Kongress als Buch.

Obwohl die Zwangsstörung mit einer Ein-Jahres-Prävalenz von 3,8% die vierthäufigste psychische Erkrankung in Deutschland darstellt, sind Patienten mit Zwangsstörungen im Versorgungssystem unterrepräsentiert und häufig fehlversorgt. Die Leitlinie verfolgt das Ziel die Versorgung der betroffenen Patienten zu verbessern und die Entscheidungsgrundlage für die an der Behandlung und Betreuung von Personen mit Zwangsstörungen beteiligten Berufsgruppen zu optimieren. Die Leitlinie umfasst Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Zwangsstörungen und soll diese auch für betroffene Patienten und ihre Angehörigen transparent machen, um ihnen eine weitgehend selbstbestimmte Beteiligung am Behandlungsprozess zu ermöglichen.

Bis die betroffenen Patienten professionelle Hilfe aufsuchen, vergehen oft viele Jahre. Wie bei den meisten anderen psychischen Erkrankungen ist auch bei der Zwangsstörung von einer insgesamt niedrigen Behandlungsrate auszugehen. Selbst wenn sich Patienten dazu entschlossen haben, sich in fachärztliche Behandlung zu begeben, ist damit nicht sichergestellt, dass dort die Diagnose einer Zwangsstörung gestellt wird. So konnte gezeigt werden, dass bei 70% der Patienten mit einer Zwangsstörung diese Diagnose von Fachärzten (Fachärzte für Psychiatrie oder Nervenheilkunde) nicht gestellt wurde, obwohl es sich um eine klinisch-relevante Ausprägung der Symptomatik handelte (Wahl et al, 2010). Darüber hinaus muss von einer gravierenden Unter- und Fehlversorgung der betroffenen Patienten hinsichtlich psychotherapeutischer Behandlung in Deutschland ausgegangen werden.

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Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wahl-Kordon


Literatur

  • S3-Leitlinie Zwangsstörungen, 20. November 2014, Hrsg.:
    Hohagen, Wahl-Kordon, Lotz-Rambaldi, Muche-Borowski
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  • Version 21.5.2013 verfügbar auf der DGPPN - Webseite oder auf der AWMF - Webseite