Jeder kennt das Problem: Eine wichtige Aufgabe muss erledigt werden, man schafft es aber einfach nicht, sich zu konzentrieren. Die Gedanken schweifen ab, man sieht ständig aufs Handy oder lässt sich durch die kleinsten Reize ablenken. Vielen Menschen fällt es gerade im Home Office schwer, konzentriert zu arbeiten. Aber auch in Gesprächen, beim Lesen oder anderen Beschäftigungen kann es zu Konzentrationsproblemen kommen. Woran  liegt das und wie kann man sich besser konzentrieren?

Symptome Symptome einer Konzentrationsschwäche

Eine Konzentrationsschwäche besteht in der Unfähigkeit sich über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu konzentrieren. Die Aufmerksamkeit schweift von der eigentlichen Beschäftigung auf andere Gegenstände oder Gedanken ab. Konzentrationsschwierigkeiten können sich durch einen Leistungsabfall bei der Arbeit oder in der Schule äußern. Auch in Bereichen, die nicht mit Leistung in Verbindung stehen, können sich Konzentrationsschwierigkeiten äußern – zum Beispiel im zwischenmenschlichen Kontakt, bei längeren Gesprächen oder beim Konsum von Medien wie Büchern oder Filmen.

Ursachen Ursachen einer Konzentrationsschwäche

Konzentrationsschwierigkeiten sind ein weit verbreitetes Phänomen. Dass es vielen Menschen immer schwerer fällt, sich längere Zeit zu konzentrieren, wird häufig auf eine Veränderung unseres Medienkonsums und neue Kommunikationsmittel zurückgeführt. Wir gewöhnen uns an den Konsum von reizintensiven Medien wie sozialen Netzwerken, deren Inhalte darauf angepasst sind auch bei einer sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne aufgenommen zu werden. Deshalb wird es für viele Menschen immer schwerer, sich über einen längeren Zeitraum auf eine Aufgabe oder Aktivität zu konzentrieren. Diesen Zusammenhang zwischen Konzentrationsfähigkeit und Medienkonsum wissenschaftlich nachzuweisen ist nicht einfach. Dazu müssen aufwendige Langzeitstudien durchgeführt werden. Kanadische Wissenschaftler fanden in einer Studie mit mehr als 2000 Probanden heraus, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne zwischen dem Jahr 2000 und 2015 von 12 auf 8 Sekunden gesunken ist. Die Fähigkeit, Multi-Tasking-Aufgaben erfolgreich zu lösen, ist dafür aber drastisch gestiegen. Jedoch gibt es auch Studien, die keinen Unterschied zwischen der Konzentrationsfähigkeit von Menschen mit hohem und niedrigem Medienkonsum finden.

 

Ebenso gibt es körperliche Ursachenfür eine Konzentrationsschwäche wie Eisenmangel oder andere Mangelerscheinungen. Ebenso können Schlafmangel, eine mangelnde Ernährung, Bewegungsmangel oder niedriger Blutdruck zu Konzentrationsschwierigkeiten führen. Der Geist kann am besten funktionieren, wenn alle körperlichen Bedürfnisse gestillt sind.

 

Neben körperlichen Mangelzuständen können aber auch psychische Ursachen, wie eine psychische (Über-)Belastung  und auch ernsthafte psychische Erkrankungen Konzentrationsschwierigkeiten verursachen.

Konzentrationsschwäche als Symptom psychischer Störungen

Folgende psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen weisen eine Konzentrationsschwäche oder Konzentrationsstörung als Symptom auf:

· Generalisierte Angststörung

· Posttraumatische Belastungsstörungen

· Depression

· Schlaf-Wach-Störungen

· Schizophrenie

· Essstörungen (insbesondere Bulimia nervosa)

· Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

 

Mechanismen, die dazu führen, dass im Rahmen einer psychischen Erkrankung Konzentrationsschwierigkeiten auftreten, sind sehr verschieden. Deshalb sollte eine Konzentrationsschwäche je nach zugrundeliegender Erkrankung individuell behandelt werden. Ebenso können Konzentrationsschwierigkeiten als Symptom eines Substanzentzugs auftreten.

Diagnostik Diagnostik einer Konzentrationsschwäche

Eine Konzentrationsschwäche führt häufig zu direktem Leidensdruck, weil besonders im Arbeitsleben ein Leistungsabfall zu verzeichnen ist. Betroffene sind sich deshalb schnell dieser Einschränkung bewusst und eine Diagnostik ist selten notwendig. Wenn eine Konzentrationsschwäche jedoch als Symptom für die Diagnose einer psychischen Erkrankung festgestellt werden soll, gibt es bestimmte Verfahren zur Messung einer Konzentrationsschwäche. Bei Erkrankungen wie ADHS kann eine Konzentrationsschwäche mit verschiedenen computer- oder fragebogenbasierten Tests diagnostiziert werden. Dabei werden einfache Aufgaben, die keine höheren kognitiven Leistungen, sondern bloß eine hohe Konzentrationsfähigkeit über einen längeren Zeitpunkt erfordern, gestellt. Diese einfachen Aufgaben müssen innerhalb eines Zeitlimits gelöst werden. Die Anzahl der gelösten Aufgaben und der gemachten Fehler lässt dann auf die Konzentrationsfähigkeit der getesteten Person schließen.  

Behandlung Behandlung einer Konzentrationsschwäche

Es gibt viele einfache Wege, die eigene Konzentrationsfähigkeit zu steigern, die selbstständig angewendet werden können. Wenn ein körperlicher Mangelzustand oder eine körperliche oder psychische Erkrankung die Ursache für eine Konzentrationsschwäche sind, sollten jedoch diese Erkrankungen ursächlich behandelt werden. Lassen Sie sich dazu von professioneller Seite beraten.

Konzentration selbst fördern

Unabhängig von den Ursachen für eine Konzentrationsschwäche können Ihnen folgende Tipps helfen, Ihrer Konzentration auf die Sprünge zu helfen. Die Tricks beziehen sich hauptsächlich auf Arbeiten am Schreibtisch, können aber auch auf andere Beschäftigungen übertragen werden.

 

Planung

Der erste Schritt zu konzentriertem Arbeiten ist eine gelungene Planung. Dazu gehört zum Beispiel, die zu lösenden Aufgaben in machbare „To-Dos“ zu teilen. Das hilft dabei, einzuschätzen, wie viel Zeit benötigt wird, um die Arbeit zu erledigen. Häufig stellt das Beginnen einer großen Aufgabe außerdem eine psychologische Hürde da. Wenn sie in kleine Teilaufgaben zergliedert ist, fällt uns das Anfangen viel leichter.

Zudem gibt es verschiedene Techniken, die dabei helfen unsere Zeit und Aufgaben sinnvoll zu strukturieren. Dabei hilft die Priorisierung nach Dringlichkeit und Relevanz der Aufgaben. Wichtige Aufgaben sollten zuerst erledigt werden. Dabei sollte nicht nur nach der Dringlichkeit geurteilt werden: Anstehende Aufgaben können auf einer sogenannten „Eisenhower-Matrix“ eingetragen werden. Diese besteht aus vier Feldern, die nach Dringlichkeit und Relevanz angeordnet sind. Indem die anstehenden Aufgaben auf diese Weise visualisiert werden, kann eine einfachere Priorisierung erfolgen.

Damit konzentriertes Arbeiten gelingt, kann die Arbeitszeit in Konzentrationsphasen eingeteilt werden. Nützlich ist dabei zum Beispiel die „Pomodoro-Technik“. Bei dieser Technik wird die Arbeitszeit in Zeiteinheiten von 25 Minuten geteilt, in denen konzentriert ohne Ablenkung an einer Aufgabe gearbeitet werden soll. Danach erfolgt eine Pause von 5 Minuten oder nach Bedarf auch eine längere Unterbrechung. Im Zeitraum der Pause dürfen die Gedanken abschweifen, es darf aufs Handy geschaut werden oder ein Heißgetränk zubereitet werden. Danach gilt es wieder, sich voll zu konzentrieren. So fällt es leichter ganze Phasen voll konzentriert durchzuarbeiten. Nach einiger Übung können die Konzentrationsphasen beliebig verlängert werden.

 

Ablenkungen vermeiden

Der zweite Tipp hilft dabei, mögliche Ablenkungen im Vorhinein auszuschalten. Eine der bekanntesten Ablenkungsquellen ist das Smartphone. Wenn man sich länger auf eine Aufgabe konzentrieren möchte, sollte man die Benachrichtigungen am Handy ausschalten, das Handy außer Sichtweite oder sogar in einen anderen Raum legen. Es kann auch hilfreich sein, sich Apps als Hilfe für eine bessere Konzentration herunterzuladen. So gibt es Apps, auf denen eine Zeit festlegt werden kann, wie lange man konzentriert arbeiten möchte, ohne dabei aufs Handy zu sehen. In dieser Zeit pflanzt die App einen virtuellen Baum. Der Baum stirbt, wenn man vor Ablauf der eingestellten Zeit das Handy benutzt. So können spielerisch Anreize geschaffen werden, um konzentriert bei der Arbeit zu bleiben.

Auch auf dem Computer gibt es viele Ablenkungsrisiken. Wenn Sie dazu neigen, soziale Medien oder Nachrichtenseiten aufrufen, um sich von der Arbeit abzulenken, können Sie auch hier auf Apps zurückgreifen, die für einen Zeitraum bestimmte Websites sperren.

Gerade im Homeoffice oder Büro gibt es aber auch zahlreiche andere Quellen der Ablenkung, die nicht so einfach ausgestellt werden können. Häufig handelt es sich dabei um andere Menschen. Überlegen Sie sich Möglichkeiten, um zumindest für ein paar Stunden am Tag nicht erreichbar zu sein. Diese Uhrzeit können Sie mit der Familie oder Arbeitskollegen absprechen. Häufig reichen schon wenige Stunden am Tag aus, um die wirklich wichtigen Aufgaben zu erledigen. Kleine Aufgaben wie das Beantworten von E-Mails können auch gut in Phasen geringerer Konzentration erledigt werden.

Häufig sind es jedoch auch unsere eigenen Gedanken, die uns am stärksten ablenken. Ständig fallen uns Dinge ein, die noch erledigt werden müssen oder Angelegenheiten, die uns emotional beschäftigten. Es hilft, einen Zettel neben sich liegen zu haben, auf den solche Dinge geschrieben werden können. Dann kann sich später darum gekümmert werden und der Kopf ist frei, um sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren. Häufig sind diese Dinge gar nicht so dringlich, wie sie im Moment des Einfalls erscheinen.
 

Ein angenehmes Arbeitsumfeld schaffen

Ein angenehmes Arbeitsumfeld ist das „A und O“ für konzentriertes Arbeiten. Dazu zählt ein aufgeräumter Schreibtisch und Arbeitsraum, aber auch frische Luft, ausreichend Licht und eine angenehme Temperatur. Achten Sie darauf, dass sie ihr Arbeitsumfeld so optimal wie möglich eingerichtet ist, bevor Sie mit der Arbeit loslegen. Es hilft auch, Wasser oder andere Getränke griffbereit zu haben oder einen warmen Pullover, falls es zu kalt werden sollte. Wenn Sie schon arbeiten und Ihnen dann auffällt, dass etwas an der Atmosphäre im Raum nicht stimmt, stellt das eine weitere Ablenkung dar.

 

Dem Körper Gutes tun

Körper und Geist sind eng miteinander verbunden. Für eine gute Konzentration ist ein ausgeglichener und wacher Körper dementsprechend wichtig. Ausreichend Schlaf und Erholung sind auch für geistige Arbeit sehr wichtig. Regelmäßiger Sport und andere Möglichkeiten zum Ausgleich sind gut für Körper und Geist. Wenn Sie am Nachmittag konzentriert arbeiten wollen, sollten Sie außerdem darauf achten, sich beim Mittagessen nicht zu überessen. Verdauung und andere vegetative Prozesse können hinderlich für konzentriertes Arbeiten sein. Allgemein stellt eine gesunde Ernährung und ausreichendes Trinken von Wasser eine gute Grundlage für körperliches Wohlbefinden und eine gute Konzentrationsfähigkeit dar.

 

Wenn eine psychische Erkrankung der Grund für Ihre Konzentrationsprobleme ist, können diese Tipps auch dabei helfen, dass Sie sich besser konzentrieren können. Nur eine psychotherapeutische Behandlung kann jedoch die Ursachen tieferliegender Konzentrationsprobleme erfolgreich beheben.

Therapie Therapie einer Konzentrationsschwäche bei Oberberg

Falls Ihre Konzentrationsschwäche als Symptom einer psychischen Erkrankung auftritt, sollten sie diese Erkrankung behandeln lassen. Die Oberberg Kliniken bieten evidenzbasierte, moderne und individuelle Therapien für Betroffene verschiedenen Alters an. Wir bieten eine vertrauensvolle Wohlfühlatmosphäre mit hohen Standards. Mittels Entspannungsverfahren, Musiktherapie und vielen weiteren Begleittherapien zur eigentlichen Psychotherapie, können verschiedene psychische Erkrankungen und Symptome individuell in den Oberberg Kliniken behandelt werden.

Bei einer stationären Therapie sammeln Patienten zusätzlich zu der Basistherapie viele wertvolle Erfahrungen. Durch das Erleben neuer Kontakte, Wertschätzung, entgegengebrachtem Respekt und dem Gefühl von Angenommensein kann eine tiefgehende Heilung stattfinden. Wir behandeln jeden Patienten mit individuell angepassten Konzepten auf Basis aktueller evidenzbasierter Therapiemethoden.

Unterstützung Hilfe bei Konzentrationsschwäche

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Mehr Informationen

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