Die Verhaltenstherapie basiert auf der Theorie, dass jedes Verhalten erlernt, beibehalten, aber auch wieder verlernt werden kann. Die moderne (kognitive) Verhaltenstherapie ist dabei als modulares Baukastensystem zu verstehen, dessen verschiedene Elemente an die jeweiligen psychischen Krankheits- und Störungsbilder individuell angepasst werden können. 

Kognitive Verhaltenstherapie Was ist die kognitive Verhaltenstherapie und für wen ist sie geeignet?

Verhaltenstherapien (VT) gehören zu den vom gemeinsamen Bundesausschuss für eine Vielzahl von psychischen Störungen wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren („Richtlinienpsychotherapie“).Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie („2. Welle“, „kognitive Wende“), die in den 1960er Jahren zum ersten Mal aufkam. 

 

Zuvor waren Verhaltenstherapien („1. Welle“) – vor dem Hintergrund v.a. tierexperimenteller Studien – vorwiegend „verhaltensbezogen“ (behavioral) an Lern- und Verstärkungsprozessen orientiert (Exposition/Reizkonfrontation, Konditionierung, Habituation, Löschung). Dem Denken und Fühlen („black box“) wurde zwar eine große Bedeutung zugemessen, das aktive Einbeziehen von „Kognitionen“ in das therapeutische Vorgehen stand jedoch noch aus. Kognitionen“ („Erkenntnisse“) beschreiben den mentalen und von Emotionen begleiteten Verarbeitungsprozess von Wissen, (neuen) Informationen und erlernten Inhalten hin zu individuellen Bewertungen, Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen. 

 

Die Anwendungstechniken der Kognitiven Verhaltenstherapie wurden in den vergangenen Jahrzehnten für spezielle (spezifische) psychische Störungsbilder immer wieder weiterentwickelt und spielen bei der Behandlung seelischer und psychischer Erkrankungen inzwischen die bedeutsamste Rolle in der Psychotherapie. 

 

Je nach Krankheitsbild können die Techniken einzeln oder in Kombination angewendet werden. Auch eine kombinierte Behandlung mit Psychopharmaka – zum Beispiel bei einer Depression oder Angsterkrankungen – gilt längst als Standard (Pharmakotherapie) 

 

Zur modernen Verhaltenstherapie gehören folgende Elemente: 

  • Förderung von Kompetenzen; zum Beispiel durch Rollenspiele bei Defiziten im sozialen Umfeld oder durch gezieltes Kommunikationstraining 
  • Kognitive Umstrukturierung: Hinterfragen ungünstiger und Erarbeiten konstruktiver Denkstrategien und „Metakognitionen“; Problemlösetraining 
  • “Modell-Lernen”; Learning by Doing – die Therapeutin oder der Therapeut als Vorbild zum Nachahmen bei Zwangserkrankungen bzw. Sozialen Phobien 
  • Operante Verfahren; neue Verhaltensweisen über Zuspruch und Lob erlernen 
  • Reizkonfrontation (Exposition); Abbau von Ängsten bei Angsterkrankungen, posttraumatischen Belastungsstörungen , Ess- und Zwangssstörungen durch Konfrontation mit der angstauslösenden Situation 
  • Störungsspezifische Methoden wie bspw. die CBASP-Therapie und die Dialektisch-Behaviorale Therapie 

 

Weitere Module werden im Rahmen der Verhaltenstherapie regelmässig eingesetzt: 

 

Training sozialer Kompetenzen (TSK, SKT, GSK)  

Soziales Komptenztraining (SKT) bezeichnet verschiedene Verfahren der Verhaltenstherapie, welche es durch weitgehend standardisierte Trainingsmethoden ermöglicht, soziale, d.h. zwischenmenschliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, zu stärken und zu erhöhen. Es kann sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen angewendet werden. Am bekanntesten ist das Gruppentraining Sozialer Kompetenzen (GSK), das von Hinsch und Pfingsten in den 1980er Jahren entwickelt wurde. Es handelt sich um ein standardisiertes und gleichwohl flexibles Programm. Soziale Situationen werden in drei prototypische Situationstypen eingeteilt und entsprechend trainiert:  

Recht durchsetzen (R), Beziehungen herstellen (B) und um Sympathie werben (S). Trainingsgruppen bestehen aus 4-12 Teilnehmern und 1-2 Trainern. Wesentliche Methoden sind Rollenspiele mit Videofeedback. Kritik wird dabei möglichst vermieden, dagegen steht die positive Verstärkung durch die Teilnehmer im Vordergrund. Die Dauer des Trainings beträgt 5-7 Sitzungen zu je etwa 2 Stunden. Die Wirksamkeit des Trainings in Hinblick auf die Verbesserung sozialer Kompetenzen wurde durch Studien belegt.

 

Psychoedukation 

Unter „Psychoedukation“ wird traditionell die systematische und strukturierte Vermittlung von wissenschaftlich fundiertem Wissen über psychische Krankheiten verstanden. Das Ziel ist dabei, Krankheitsverständnis und -bewältigung zu fördern und die Adhärenz (Motivation, an Therapien aktiv mitzuwirken) zu verbessern. Psychoedukation stellt kein eigenes Therapieverfahren dar, sondern wird in einem solchen lediglich als eine Behandlungsmaßnahme unter vielen eingesetzt. 

Nach aktuellem Wissensstand sollte dabei vermieden werden, dass Betroffene und Angehörige durch Vermittlung detaillierten Wissens über die Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten stark belastet werden. Deshalb ist ein individuelles Vorgehen wichtig. Zudem besteht bei „passiv“ erworbenen Informationen das Risiko, dass sich Krankheitssymptome verfestigen können (Akzeptanz der Pathologie) und Chancen nicht genutzt werden, dysfunktionale Muster aktiv und konstruktiv in den eigenen Bezügen zu verändern. Daher sind aktuelle Psychoedukationsprogramme individualisiert (einzeln oder Kleingruppen), hochgradig interaktiv und fokussieren weniger die Infomationsweitergabe, sondern aktivieren konstruktive Ansätze und emotionale Verarbeitungsprozesse.  

Behandlungsziele Welche Therapie ist die Richtige für mich?

Stationäre Psychotherapien sind immer eine komplexe Angelegenheit. Wenn sie nachhaltig erfolgreich sein sollen, müssen zahlreiche Faktoren ineinandergreifen - möglichst perfekt zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten, so dass wir die Frage nach der “richtigen Verhaltenstherapie” an dieser Stelle nur allgemein beantworten können. 


Denn die Lebenssituation eines jeden Menschen ist einzigartig – und damit auch die Entstehungsgeschichte und Entwicklung seiner psychischen Erkrankung. Deshalb liegt in den Oberberg-Fachkliniken jeder stationären Verhaltenstherapie stets ein individueller Behandlungsplan zugrunde, den wir mit dem Patienten gemeinsam erarbeiten. Unsere Behandlungsansätze basieren auf bewährten und innovativen, evidenzbasierten und störungsorientierten Behandlungsverfahren. Die Therapieziele heißen „Remission, Recovery, Resilienz.“ Für unsere Patienten stellen wir immer die jeweils bestmögliche Behandlungskombination aus den Bereichen Psychotherapie und Pharmakotherapie, der Kreativ- und Sporttherapie und weiteren bewährten, aber auch hochmodernen Behandlungsverfahren zusammen. 

    Der Therapieerfolg in einer psychiatrischen Klinik hängt in den meisten Fällen weniger von Medikamenten, sondern davon ab, ob die Patientinnen und Patienten bereit sind, sich zu öffnen. Sind sie dazu bereit, ist in den meisten Fällen eine erhebliche Besserung erreichbar.
    Dr. Thorsten Heedt
    Oberarzt, Oberberg Somnia Fachklinik Köln Hürth

    Bei der Aufnahme legen wir daher besonderen Wert auf eine sorgfältige Anamnese, während wir den Patienten gleichzeitig den notwendigen Raum und die Zeit geben, all das loszuwerden, was „auf der Seele brennt.“ Wenn wir dann gemeinsam ein emotionales Patienten-Profil erstellen, verfolgen wir immer einen biopsychosozialen und ganzheitlichen Ansatz, da in der modernen Psychotherapie die eigene Geschichte, insbesondere aber auch Gefühle, Gedanken, die sozialen Bezüge und die körperliche Verfassung des Patienten in ihrer wechselseitigen Beziehung mitberücksichtigt werden. In diese erweiterte Verhaltensanalyse fließt das gesamte Umfeld des Patienten ein, wie etwa Lebenspartner, Familienangehörige, Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte; hinzu kommen seine beruflichen sowie seine privaten Lebensumstände. 

     

    Unsere Behandlungskonzepte orientieren sich grundsätzlich an den aktuellen Entwicklungen einer innovativen, störungsorientierten und evidenzbasierten Psychotherapie, insbesondere der sogenannten „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie, die durch die zunehmende Berücksichtigung von Achtsamkeit und Akzeptanz charakterisiert ist. Unsere biologischen Therapieverfahren beinhalten zusätzlich (immer nach Absprache mit dem Patienten):

    • eine pharmakologische Behandlung (auch hochdosiert), inklusive Lithium- und Ketamin-Therapie  
    • Wachtherapie und Lichttherapie, vor allem in dunklen Jahreszeiten bzw. bei einer jahreszeitlich betonten Depression 
    • sowie physikalische Stimulationsverfahren, ggf. in Zusammenarbeit mit Universitätskliniken 

    Standorte Die Fachkliniken der Oberberg Gruppe, welche Verhaltenstherapien anbieten

    Die Oberberg Gruppe ist der führende Qualitätsverbund privater Fach- und Tageskliniken im Bereich Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Deutschland. Die kognitive Verhaltenstherapie bzw. die dazugehörigen Module nutzen wir in allen unseren Einrichtungen zur Behandlung von seelischen Störungen und psychischen Erkrankungen. 

     

    Zur dem von uns angestrebten Vertrauensverhältnis zwischen unseren Patientinnen, Patienten und ihren Therapeuten-Teams gehört, dass wir Sie während Ihres stationären Aufenthalts niemals im Unklaren über die einzelnen Behandlungsschritte lassen. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wenn sie mehr über die Therapiekonzepte erfahren möchten, die wir in unseren Oberberg Fachkliniken anwenden. 

    Ansprechpartner Sie können sich jederzeit vertrauensvoll und diskret an uns wenden

    Sie möchten mehr Informationen Anwendung der Verhaltenstherapie, zur Ausstattung in den Kliniken oder zum Tagesablauf in einer Klinik erhalten? Wir stehen Ihnen jederzeit beratend zur Seite. Kompetente Auskunft erhalten Sie unter der Telefonnummer 0800 5577330 (gebührenfrei). Außerhalb Deutschlands wählen Sie bitte +49 30 20867301-0. Wenn Sie einen Rückruf für ein persönliches Gespräch vereinbaren möchten, füllen Sie bitte das Kontaktformular aus. Wir werden uns dann schnellstmöglich bei Ihnen melden.

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