Erschöpfung zählt zu den häufigsten unspezifischen Symptomen, welche die meisten Menschen zu irgendeiner Zeit ihres Lebens einmal erleben. In der deutschen Allgemeinbevölkerung sind gemäß Selbsteinschätzung 6,1% chronisch erschöpft. Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) kommt aber auch im Rahmen der unterschiedlichsten körperlichen Erkrankungen vor (z.B. Krebserkrankungen, Multiple Sklerose, Parkinson).

Symptome und Beschwerden Was ist das Chronische Fatigue Syndrom?

Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) ist eine neuroimmunologische Erkrankung, an der in Deutschland schätzungsweise bis zu 250.000 Menschen erkrankt sind. Betroffene leiden hauptsächlich an einer schweren Fatigue (körperlichen Schwäche).

 

Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) kommt aber auch im Rahmen der unterschiedlichsten körperlichen Erkrankungen vor (z.B. Krebserkrankungen, Multiple Sklerose, Parkinson). Bei einigen dieser Erkrankungen zählt die Fatigue zu den am meisten beeinträchtigenden Symptomen und kann zu wesentlichen Einschränkungen in den Alltagsaktivitäten führen. Neben der ausgeprägten Erschöpfung leiden die Patienten unter Schmerzen, kognitiven Störungen und nicht erholsamem Schlaf.
 

Als Leitsymptom gilt eine Zunahme der Beschwerden nach einer nicht dazu im Verhältnis stehenden körperlichen oder geistigen Anstrengung. Die Erschöpfung lässt sich durch Ruhe nicht beheben. Bleibt CFS unbehandelt, besteht ein erhebliches Risiko des Fortbestands der Erschöpfungssymptomatik mit weiteren Einschränkungen durch komorbide psychische Störungen (v.a. Ängste und Depressionen).

 

„Wichtig ist, Patienten mit Fatigue ernst zu nehmen. Sie haben oft eine lange Leidensgeschichte hinter sich und haben oft viele Ärzte erfolglos konsultiert.“
Dr. med. Johannes Bauer
Internist, Diabetologe DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft) und leitender Arzt Psychosomatik, Oberberg Fachklinik Rhein-Jura

Ursachen Welche Ursachen hat das Chronische Fatigue Syndrom (CFS)?

In den letzten Jahrzehnten wurden große Anstrengungen unternommen, um die Krankheitsdefinition und die Diagnostik zu präzisieren. Die Datenbasis für einen fundierten Umgang mit dieser Erkrankung wächst. Zumindest bei einem Teil der Betroffenen bestehen neurobiologische Veränderungen. Fallkontrollstudien sprechen für einen Zusammenhang traumatischer Lebenserfahrungen in der Kindheit und dem Bestehen eines chronischen Erschöpfungssyndroms.  

Erschöpfung- wann zum Arzt?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass ihr Körper immer schwächer wird und es ihnen schwer fällt auch einfache Aufgaben wie Zähneputzen, Duschen oder Kochen zu bewältigen, dann leiden Sie möglicherweise unter einem Chronischen Fatigue Syndrom (CFS). Betroffene sind selbst bei geringer Belastung bereits erschöpft und sind in der Bewältigung ihres Alltages erheblich eingeschränkt. Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) ist eine Krankheit, welche ernsthafte Folgen haben kann.

250 Tausend
Menschen in Deutschland betroffen
1 in 4
Patienten kann das Haus nicht verlassen
60 %
der Betroffenen sind arbeitsunfähig
Quelle: Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.

Wie kann so ein Krankheitsverlauf aussehen? - Ein Fallbeispiel

Ein 58 jähriger Patient, früher selbstständiger Schreiner und Handwerker, ist seit Oktober 2015 berufsunfähig aufgrund körperlicher Defizite im Rahmen einer Multiplen Sklerose, welche 2013 erstdiagnostiziert wurde. Im Februar 2019 kommt er zur stationären Aufnahme in unsere Klinik wegen einer schweren depressiven Episode, chronischer Erschöpfung und Müdigkeit, zunehmender Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen sowie Lebensüberdrussgedanken.

 

Im Kontakt zu verschiedenen Bezugspersonen seiner Kindheit und Jugend erlebte der Patient immer wieder Bestrafung (körperliche Gewalt) und zum anderen Abwertung der eigenen Person („nichts zu taugen, es niemals zu etwas zu bringen“), sobald er versuchte, für sich einzustehen. Das Äußern von Wünschen war in keinem Kontakt möglich („Gehorsam, ohne zu hinterfragen“). Entsprechend entwickelte er übergreifende Verhaltensstrategien, nichts zu sagen und sich anzupassen, auch wenn er hierbei seine eigenen Grenzen übertrat. Weitere Selbstabwertung fand im Bereich des Umgangs mit der MS-Erkrankung und dem damit einhergehenden Fatigue-Syndrom statt. Zuletzt war der Patient bei einem Taxiunternehmen angestellt und hatte dort über 200 Stunden im Monat gearbeitet. Ihm gelang es nur schwer, seine Erschöpfung als krankheitsbedingt anzunehmen und übte stattdessen starke Kritik an sich selbst („müsste mehr können, wieder nichts geschafft, tauge zu nichts“).
 
Im Rahmen der stationären multimodalen Therapie konnte der Patient neue, zielführende Verhaltensstrategien erarbeiten, unterstützt durch die Entwicklung von hilfreichen Gedanken sowie das Training dieser Verhaltensweisen in Rollenspielen. Im Rahmen der Fach- und Bewegungstherapien gelang dem Patienten ein verbessertes Körpergefühl und eine frühzeitige Wahrnehmung seiner körperlichen Grenzen. Darüber hinaus konnte sich der Patient auf eine psychopharmakologische Medikation seiner schweren depressiven Episode einlassen. Es zeigte sich eine Rückkehr von Freude und Interesse, Stabilisierung der Stimmung, Besserung des Schlafes und des Antriebs. Bei Entlassung konnte sich der Patient unter bestimmten Voraussetzungen eine Rückkehr in das Berufsleben vorstellen.

Behandlungen und Therapien Therapie beim Chronischen Fatigue Syndrom

Die Behandlung des CFS ist daher symptomorientiert und zielt darauf ab, Beschwerden der Erkrankung zu lindern, Überanstrengung zu vermeiden, Infektionen und andere Ursachen für eine Immunaktivierung zu behandeln und Mangelzustände zu beheben. Zwei Verhaltensmuster als Reaktion auf die erlebte Symptomatik werden bei dem CFS beobachtet und im Sinne der Aufrechterhaltung als ungünstig erachtet: zum einen die weitgehende Vermeidung von Aktivitäten im Sinne eines Schonungsverhaltens und zum anderen ein „Alles-oder-nichts“ Verhalten, bei dem Phasen der Inaktivität von Aktivitätsausbrüchen und Selbstüberforderung abgelöst werden.

 

Ein wichtiges Element ist die psychoedukative Arbeit, die dem Patienten auch Techniken für den Umgang mit Erschöpfung nach körperlicher Belastung vermittelt. Durch Stressreduktion und dem sogenannten „Pacing“ kann es langfristig zu einer Besserung der Beschwerden kommen. Unter „Pacing“ wird das Einhalten eines individuellen Belastungsniveaus verstanden, so dass keine Überlastung nach dem Training auftritt. CFS-Patienten müssen daher zuallererst ihren Lebensstil der Krankheit anpassen und Belastungsspitzen „glätten“.

 

Im Umgang mit der Erkrankung sind neben Schlafregulation und Entspannungstechniken vor allem achtsamkeits- und akzeptanzorientierte Elemente der Psychotherapie, beispielsweise die Acceptance und Commitment Therapy (ACT) wirksam, wie auch klassische Elemente der kognitiven Umstrukturierung. Dies wird begleitet von einem alltagsnahen Training zur Einschätzung und Dosierung der Belastung und einem schrittweisen konditionellen Aufbau („Graduierte Aktivierung“). Im Rahmen der Behandlung lernen Betroffene, ihre Symptome nicht als Zeichen einer unveränderlichen Pathologie aufzufassen. Selbstwirksamkeit und Selbstkontrolle über die eigene Lebensführung werden gefördert mit dem Ziel, das Leben wieder selbst gestalten und nicht durch die chronische Erschöpfungssymptomatik bestimmen lassen. Sozialtherapeutische Unterstützung bei der Klärung finanzieller Fragen und im Zusammenhang mit Ausbildung und Beruf helfen dem Patienten auf dem Weg zurück in den Alltag.

Gerade in den letzten Jahren hat unser Wissen über die Erkrankung des chronischen Fatigue Syndroms deutlich zugenommen. Wir stehen mit den führenden Experten in Deutschland in engem Kontakt und sind deswegen auf dem aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie.“
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Jähne
Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie, Oberberg Fachklinik Rhein-Jura

Stressreduktions- und Entspannungsverfahren

Stressreduktions- und Entspannungsverfahren sind unter anderem für die Behandlung von CFS eine wirksame Unterstützung. Der große Wert von Entspannungsverfahren liegt jedoch auch darin, dass die Übungen in den Alltag übernommen werden können und – bei regelmäßiger Anwendung – große Wirkung bei der Rückfallprophylaxe haben. Gleiches gilt für die Prävention z.B. auch von weiteren psychischen Störungen. 

Folgende Entspannungsverfahren werden bei Oberberg angewendet:

  • Autogenes Training (AT)
  • Progressive Muskelrelaxation (PMR)
  • Akupunktur und ähnliche alternativmedizinische Behandlungsmethoden
  • Yoga und weitere Verfahren der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)
  • Meditation – Räume der Stille
  • Aromatherapie
  • Biofeedback
  • Bodyscan

Weitere Informationen zu den bei Oberberg angewendeten Stressreduktions- und Entspannungsverfahren finden Sie hier.

17 Mio
Menschen weltweit betroffen
250 Tausend
in Deutschland betroffen
40 Tausend
Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen
Quelle: Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.

Häufig gestellte Fragen FAQ

Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) ist eine neuroimmunologische Erkrankung, an der in Deutschland schätzungsweise bis zu 250.000 Menschen erkrankt sind. Es wird davon ausgegangen, dass weltweit c.a. 17 Millionen Menschen betroffen sind. Betroffene leiden hauptsächlich an einer schweren Fatigue (körperlichen Schwäche).

Nach aktuellen Einschätzungen wird davon ausgegangen, dass weltweit c.a. 17 Millionen Menschen an dem Chronischen Fatigue Syndrom (CFS) leiden. In Deutschland sind schätzungsweise bis zu 250.000 Menschen betroffen, wovon c.a. 40.000 Kinder und Jugendliche sind.

Als Leitsymptom gilt eine Zunahme der Beschwerden nach einer nicht dazu im Verhältnis stehenden körperlichen oder geistigen Anstrengung. Die Erschöpfung lässt sich durch Ruhe nicht beheben. Neben der ausgeprägten Erschöpfung leiden die Patienten unter Schmerzen, kognitiven Störungen und nicht erholsamem Schlaf.

Sollten Sie unter erheblichen Erschöpfungserscheinungen bei geringer körperlicher Anstrengung leiden, sollten Sie sich definitiv ärztlich beraten lassen. Wird das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) nicht behandelt, können für Betroffene ernsthafte Schäden entstehen. Ein Viertel der Betroffenen kann nicht mehr alleine das Haus verlassen und schätzungsweise 60% sind arbeitsunfähig.

Die Behandlung von CFS Wirksame Psychotherapien in heilsamer Umgebung

In den Oberberg Fachkliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unterstützen wir Menschen in schweren seelischen und psychischen Krisensituationen mit effizienten Behandlungskonzepten. Dabei glauben wir fest an das Zusammenwirken von Menschlichkeit, Verbundenheit und Evidenz in einer erstklassigen Umgebung, die von einer herzlichen Atmosphäre aus Achtsamkeit, Zugewandtheit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. 

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