Niemand, der ein paar Kilos zu viel mit sich herumschleppt, muss sofort eine Essstörung befürchten – so wie eben auch nicht jeder, der zu wenig wiegt, an chronischem Untergewicht leidet. Denn einer ernsthaften Essstörung im medizinischen Sinne liegt immer ein komplexes psychisches Krankheitsbild zugrunde, das gravierende körperliche Folgen nach sich ziehen kann.

Symptome und Beschwerden Woran Eltern eine Essstörung ihres Kindes erkennen können

Bis ihre Essstörung als ernsthafte psychosomatische Krankheit begriffen wird, vergeht für die Betroffenen oft eine lange Leidenszeit. Auch wenn sie bereits ahnen sollten, dass bei ihnen eine Essstörung vorliegen könnte, verdrängen sie diesen Gedanken, verheimlichen zumeist sehr geschickt ihr gestörtes Essverhalten und streiten es gleichzeitig ihrem Umfeld gegenüber vehement ab, mit der Ernährung Probleme zu haben. Stattdessen präsentieren sie Vorwände, Ausflüchte oder Scheingründe, warum sie so „dünn“ aussehen.

 

Der Übergang vom auffälligen zum krankhaften Umgang mit Nahrung vollzieht sich in der Regel schleichend – und weil viele Betroffene damit beginnen, sich abzukapseln, werden ihre Essstörungen von Außenstehenden und sogar von Partnern und Familienangehörigen erst sehr spät bemerkt. Wenn überhaupt.

Symptome der Anorexia nervosa

  1. Essen, Gewicht und Figur werden zum Lebensinhalt;
    übertriebene Euphorie zu Anfang des Gewichtsverlustes;
    Begeisterung über die eigene Disziplin und Kontrollfähigkeit
  2. Übergang von der Kontrollfähigkeit zum Kontrollzwang;
    Müdigkeit; Kälteempfinden durch Mangelerscheinungen;
    Herz- und Kreislaufprobleme; Konzentrationsstörungen
  3. Haut- und Haarveränderungen (Ausfall), Risiko für Osteoporose;
    hormonelle Störungen (insbesondere in der Pubertät);
    Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes durch regelmäßiges Erbrechen; Nierenprobleme

Die Betroffenen können (oder wollen) diese zum Teil lebensgefährlichen Symptome jedoch nur selten einer Krankheit zuordnen, sondern empfinden die Lebensumstände zumeist als „völlig normal“. Besonders tragisch ist: Anorexia nervosa führt zu einem deutlich erhöhten Sterberisiko junger Menschen (insbesondere durch Suizid), das im Vergleich zu gesunden Menschen statistisch um das 18-Fache erhöht ist.

Meine Essstörung war lange Zeit mein bester Freund, den ich gegen alle Anfeindungen von außen – also Versuchen, mich zu therapieren – schützen und verteidigen musste. Diese Krankheit war mein Alibi, mich aus Freundschaften zurückzuziehen und das, was ich als Glück empfand, auch zu genießen.
Klaus S.
38 Jahre, ehemaliger Adipositas-Patient (fettsüchtig) in der Oberberg Fachklinik Schwarzwald

Die häufigsten Essstörungen Wenn uns unsere Essgewohnheiten krank machen

Zu viele Menschen in Deutschland ernähren sich falsch (und bewegen sich zu wenig): Etwa 70 % der Männer und 50% der Frauen haben Übergewicht (!), 20 % der Deutschen gelten mit einem BMI-Wert (Body-Mass-Index) über 30 als übergewichtig oder adipös. Die negativen gesundheitlichen Folgen sind zumeist Herz-Kreislauf-Krankheiten, Schlaganfälle, Überlastung der Gelenke und Diabetes mellitus II – unter anderem.

 

Gesundheitsgefährdend ist es aber auch, wenn der Zeiger der Waage zu weit nach unten ausschlägt: Schätzungsweise fünf Millionen Menschen in Deutschland – mehr Frauen als Männer – leiden an Essstörungen. Waren früher etwa 20 von 100.000 jungen Frauen zwischen 15 und 24 Jahren von einer Essstörung betroffen, sind es heute rund 50.

 

Essstörungen treten jedoch nicht nur in ihrer „Reinform“, sondern häufig auch in Mischformen auf. Solche „nicht näher bezeichneten Essstörungen“ sind nur schwer zu kategorisieren, weil bei ihnen nicht alle bekannten Merkmale auftreten. Essstörungen können aber auch in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen entstehen.

 

Im Wesentlichen werden drei Arten von Essstörungen unterschieden:

Unter Anorexie (oder Anorexia nervosa) versteht man starken Gewichtsverlust ohne erkennbare körperliche Umstände. Übersetzt heißt dieses griechische Wort „Appetitlosigkeit“. Bei einer Magersucht geht es den Betroffenen jedoch darum, aus Angst vor dem „Dicksein“ ihren natürlich vorhandenen Appetit zu unterdrücken. Und selbst wenn sie bereits nur noch „Haut und Knochen“ sind, empfinden sie sich immer noch als „zu dick“.

 

Die typischen Auslöser einer Anorexie sind Langzeit-Diäten, bei denen sich der Wunsch nach Gewichtsreduktion verselbstständig hat. Die betroffenen Jugendlichen können dann allein nicht mehr den Weg zurück zu einem normalen Essverhalten finden.

Bis zu meiner Pubertät fühlte ich mich in meinem Körper wohl. Dann aber entwickelten sich weibliche Formen – für mich leider an den falschen Stellen. Ich versuchte gegenzusteuern, aß immer weniger und zählte Kalorien. Je weniger ich aß, desto stolzer wurde ich auf meine Disziplin.
Claudia, 28 Jahre
über die Anfänge ihrer Essstörungen

Bei einer Bulimie (auch: Bulimia nervosa oder Bulimarexie) liegt zumeist eine besonders starke Wechselwirkung zwischen Aussehen und Selbstwertgefühl vor.
Als zusätzliche Auslöser für diese Essstörung (neben den Risiken für die Entwicklung einer Magersucht) gelten:

  • Gewalterfahrungen, Missbrauch
  • Vernachlässigungserfahrungen

Bulimikern fehlen die Kontrollmechanismen über das Hunger- und Sättigungsgefühl. Sie können mit dem Essen einfach nicht mehr aufhören, wobei es während dieser Heißhungerattacken unerheblich ist, was und wie viel sie regelrecht in sich „hineinstopfen“. Um der drohenden Gewichtszunahme entgegenzuwirken, essen Bulimiker sehr unregelmäßig, fasten dann zwischendurch oder übertreiben es mit Sport. Oft schlucken sie zusätzlich Appetitzügler, Abführmittel und entwässernde Medikamente – und erbrechen sich absichtlich nach dem Essen.

 

Bulimiker setzen sich selbst unter diesen Druck, weil sie ihr Wunschgewicht unter dem (medizinisch problematischen) Idealgewicht verorten. Für sie sind Gewicht und Figur so essenziell, dass sie für sich selbst ultrastrenge Diätregeln aufstellen, die sie aber nicht einhalten können. Daraus resultieren die Heißhungerattacken, die wiederum zu absichtlichem Erbrechen und Hungern führen. Aus diesem lebensgefährlichen Teufelskreis kommen die Betroffenen allein zumeist nicht mehr heraus.

Darüber hinaus leiden Bulimiker in der Regel an heftigen Schamgefühlen. Sie verschweigen sowohl ihre Heißhungerattacken als auch ihr bewusstes Erbrechen, um sich niemandem erklären zu müssen. Auf lange Sicht führt dieses Verhalten zum Abbau zwischenmenschlicher Beziehungen und zu Vereinsamung. Die Heißhungerattacken machen zudem eine große Lebensmittelbevorratung notwendig; Bulimiker haben daher häufig Geldsorgen.

Hinzu kommen jedoch vor allem die erheblichen gesundheitlichen Risiken:

  • häufiges Erbrechen (Magensäure) schädigt die Speiseröhre und die Zähne
  • Herz- und Nierenfunktion werden gestört
  • Speicheldrüsen können sich entzünden
  • die Magenwand kann einreißen
  • Essensmenge und/oder Medikamente beeinträchtigen den Verdauungstrakt
  • Nährstoffmangel führt zu Körperdysfunktionen

Bulimie gehört zu den sogenannten Fahrstuhl-Erkrankungen: Monate ohne erkennbare Symptome wechseln sich mit Rückfällen in krankhaftes Essverhalten ab. Sind andere psychische Störungen bereits vorhanden, werden sie von einer Bulimie oft verstärkt.

Ich hatte mein ganzes Leben danach ausgerichtet, Essen in mich reinzustopfen und es dann wieder zu erbrechen. Dafür habe ich Freunde belogen, alle Kontakte abgebrochen und mich überschuldet. Erst jetzt, nach der Therapie, weiß ich endlich, was Leben für mich bedeutet.
Angelika M., 35 Jahre
litt über ein Jahrzehnt an Bulimie

Unter einer Binge Eating Disorder versteht man regelmäßiges übermäßiges Essen ohne Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, Hungern oder Sport. Der Begriff leitet sich aus dem englischen Begriff „binge“ („Gelage“) ab. Die Nahrungsaufnahme wird nicht durchs natürliche Sättigungsgefühl gestoppt, sondern erst, wenn ein unangenehmes Völlegefühl auftritt. Zudem wird das Essen möglichst rasch „hinuntergeschlungen“. Aus Scham essen die Betroffenen nur sehr selten in Gesellschaft, sondern bleiben lieber für sich.

 

Die Binge-Eating-Störung führt in der Regel zu starkem Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit), die körperliche Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Störungen, Diabetes oder Gelenkerkrankungen auslösen können. Psychische Störungen (Depression oder Angsterkrankungen) werden ebenfalls durch diese Essstörung verstärkt.

Im Supermarkt packte ich den Einkaufswagen voll, obwohl ich keinen Hunger hatte. Erst zu Hause habe ich dann die Massen realisiert, die ich eingekauft hatte, aber ich dachte bloß: „Na, wenn du’s gekauft hast, kannst du’s auch essen.“
Florian S.
35 Jahre, Patient mit Adipositas in der Oberberg Fachklinik Weserbergland

Der Unterschied zwischen Übergewicht und Essstörung

Übergewicht belastet zwar den Körper, die Gelenke und Organe, ist aber nicht ursächlich ein Hinweis auf das Vorliegen einer Essstörung.

 

Bin ich etwa zu dick?

Übergewicht bedeutet, dass der Körper zu viel Fettgewebe enthält, das sich aus vielerlei Gründen angesammelt haben kann; zum Beispiel aus Mangel an Bewegung (gerade bei „sitzenden Berufen“), durch regelmäßiges Naschen am Abend vor dem Fernseher oder den häufigen Verzehr von Fast Food und Fertignahrungsmitteln, die fast immer zu viel Zucker enthalten.

 

Wie definiert man „Übergewicht“ und „Untergewicht“?

Traditionell wird weltweit der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) verwendet, der sich als Quotient des Körpergewichts (in kg) zur Körpergröße im Quadrat (in m²) berechnet (Maßeinheit kg/m²) und so eine Klassifikation des Körpergewichts definiert. Unter Ernährungsexperten ist der BMI jedoch umstritten.
 

Kinder und Jugendliche: Für Kinder und Jugendliche werden alters- und geschlechtsspezifische Norm- und Vergleichskurven zur Beurteilung des Gewichts und des Gewichtsverlaufs herangezogen (Orientierung an BMI-Perzentilen). Auf dieser Grundlage wird in der Therapie von Essstörungen das Zielgewicht individuell festgelegt und der Gewichtsverlauf bewertet.
 

Erwachsene: Die WHO hat im Jahre 2008 eine alters- und geschlechtsunabhängige BMI-Klassifikation vorgenommen:

  • BMI unter 16: starkes Untergewicht
  • BMI 16–17: mäßiges Untergewicht
  • BMI 17–18,5: leichtes Untergewicht
  • BMI 18,5–25: Normalgewicht
  • BMI 25–30: Übergewicht (Präadipositas)
  • BMI 30–35: Adipositas Grad I
  • BMI 35–40: Adipositas Grad II
  • BMI über 40: Adipositas Grad III

Ab einem BMI von 30 kg/m² gelten übergewichtige Personen nach der WHO-Empfehlung als behandlungsbedürftig. Der BMI ist jedoch lediglich ein grober Richtwert, der weder die Statur noch das Alter noch das Geschlecht oder die individuelle Zusammensetzung der Körpermasse (Wasser-, Fett-, und Muskelanteile) berücksichtigt. Diese Faktoren (vor allem das Alter) und weitere Risikofaktoren (Rauchen, körperliche Aktivität usw.) müssen jedoch berücksichtigt werden, um den Zusammenhang zwischen den Körpermaßen (Gewicht) und einem eventuellen Gesundheitsrisiko genauer beurteilen zu können.
 

Mehr Informationen erhalten Sie hier:

Deutsche Adipositas-Gesellschaft
Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Ursachen Wie entstehen Essstörungen?

Wenn Menschen unter Essstörungen leiden, wird ihnen das zumeist erst dann bewusst, wenn die negativen Folgen für den Körper und die Psyche bereits gravierend sind. Sind Partner, Angehörige, Freunde oder gar das eigene Kind von einer Essstörung betroffen, machen sich neben Erschütterung und Sorge typischerweise große Hilflosigkeit und Unsicherheit breit. Deshalb ist eine genaue Aufklärung so wichtig: Die Betroffenen und ihre Angehörigen sollten unbedingt wissen, dass es zahlreiche verschiedene Auslöser für Essstörungen gibt.

 

Auch bei der Binge-Eating-Störung kommt es zu einem anhaltenden Wechsel von symptomfreien Phasen mit Essanfällen und Diäten. Bei denjenigen, die vom Binge-Eating-Syndrom betroffen sind, liegt oft eine emotionale Störung vor: Mit der dysfunktionalen Nahrungsaufnahme kompensieren sie ihren Mangel und ihre Sehnsucht nach Zuwendung, Verständnis oder Mitgefühl. Da die Essanfälle jedoch nicht von Hungergefühlen ausgelöst werden, können viele Betroffene danach nicht erklären, was der eigentliche Auslöser der „Fressattacke“ war. Es scheint, als habe die Störung die Kontrolle über das Essverhalten übernommen.

Die bekanntesten Auslöser für Essstörungen

Es gibt zumeist nicht „den einen“ Auslöser für Essstörungen – sondern mehrere Faktoren. Dazu gehören im Besonderen:

  • Biologische Einflüsse: erbliche Veranlagung, gestörtes Essverhalten oder strenge Diäten im Kindesalter
  • Psychische Einflüsse: Selbstunsicherheit / geringes Selbstwertgefühl, Unzufriedenheit mit Aussehen oder Figur, emotionale Instabilität, ausgeprägtes Leistungsstreben (Ehrgeiz)
  • Gesellschaftliche Einflüsse: propagiertes Schönheitsideal, Vorbilder aus Medien, Film, Musik und Sport
  • Traumatische Einflüsse: Trennung, Verlust von Freunden oder nahen Angehörigen, Umzug mit Aufgabe des sozialen Netzes, Hänseleien und Mobbing, schwere Erkrankungen
  • Altersbezogene Einflüsse: Pubertät (Veränderungen der Körpergestalt), Beziehungs-, Schul- und Ausbildungsprobleme
  • Sporteinflüsse: Leistungssport, speziell bei Sportarten mit Gewichtsklassen, aber auch Eiskunstlauf oder Skispringen

 

5 Mio.
Deutsche leiden an Essstörungen
20 %
gelten als adipös (stark übergewichtig)
50 %
aller Mädchen mögen ihren Körper nicht
* Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Der Wirbel um den BMI (Body-Mass-Index)

Essstörungen entstehen besonders häufig dann, wenn die Betroffenen ihren jeweiligen Idolen nahekommen möchten, die auf dem Laufsteg, auf der Bühne oder in den Medien die Vorzüge eines schlanken Aussehens verkörpern. Zumeist wird dafür der Body-Mass-Index (BMI) als Maßstab genommen.

 

Der BMI misst das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht (Körpermasse). Ein Wert von 20–25 gilt für Erwachsene als normal. Nach WHO-Empfehlungen sollte er weder unter- noch überschritten werden. Doch Menschen sind nun einmal höchst unterschiedlich gebaut. Der BMI sagt daher lediglich aus, ob das Körpergewicht zu niedrig, normal oder zu hoch ist; doch nur dann, wenn Wachstum und Körperentwicklung abgeschlossen sind. So müssen stets noch Faktoren wie das Geschlecht und das Alter hinzugerechnet werden, um einen wirklich aussagekräftigen Wert zu erhalten. Trotzdem sagt der BMI nichts darüber aus, ob eine Essstörung vorliegt – und erst recht nicht, welche Ursache sie haben könnte.

Behandlungen und Therapien Die Oberberg Therapien bei Essstörungen

Psychische Erkrankungen werden glücklicherweise immer seltener stigmatisiert, doch natürlich ist da noch Luft nach oben“. Niemandem sollte es unangenehm sein, wegen einer Essstörung professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Überdies hat sich für die Betroffenen immer wieder bewährt, die ihnen nahestehende Menschen über ihre Essstörung zu informieren – das haben wir in vielen Gesprächen mit unseren Patientinnen und Patienten erfahren.

„Dann iss doch einfach was!“ – Wisst ihr, wie oft ich diesen Satz gehört habe, weil ich so ein Hungerhaken war? Die Leute reduzieren dich immer aufs Äußerliche, aber wenn du Normalgewicht hast, heißt das noch lange nicht, dass in dir drin alles in Ordnung ist.
Daniel B.
24 Jahre, Jura-Student, während einer Gruppentherapiesitzung in der Oberberg Fachklinik Rhein Jura

Aus Essstörungen kommt man von selbst nicht raus

Je früher beispielsweise eine Magersucht erkannt wird, umso größer ist die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung. Trotzdem sollten sich Patienten und Angehörige immer auf eine längere Therapiedauer einstellen.

 

Zuerst geht es darum, die offensichtlichen Symptome zu lindern und den Betroffenen ihre Erkrankung bewusst zu machen. Denn erst, wenn Essstörungen als solche erkannt und akzeptiert werden, sind die Patientinnen und Patienten in der Lage, therapeutisch daran zu arbeiten, zu einem „gesunden“ Gewicht zurückzufinden und ihr Essverhalten nachhaltig zu normalisieren.

Bei einer teilstationären Behandlung (Aufenthalt in einer Tagesklinik) nutzen die Patientinnen und Patienten tagsüber die medizinischen Einrichtungen in der Klinik und fahren abends wieder nach Hause. Daher sollte die Tagesklinik nicht allzu weit vom Wohnort entfernt sein. Eine teilstationäre Behandlung kann von Beginn der Therapie an erfolgen oder sich an einen stationären Aufenthalt als Nachsorge-Maßnahme anschließen. Das tagesklinische Setting ermöglicht, dass die Betroffenen weitgehend in ihrem Lebensumfeld verbleiben. Therapeutische Maßnahmen und Verhaltensänderungen können sofort in den Alltag übertragen und „geübt“ werden.

Ein wesentlicher positiver Aspekt einer vollstationären Therapie einer Magersucht (Anorexia nervosa) in einer unserer Oberberg Kliniken liegt darin, dass sich die Patienten so aus ihrem gewohnten häuslichen Umfeld für einen Zeitraum lösen, um Abstand zu ihrem Alltag und damit zu ihrem Krankheitsbild zu gewinnen. Die Klinik wirkt dann wie ein geschützter Raum, in dem das Leben jenseits der Erkrankung ohne störende Einflüsse von außen geübt und ausprobiert werden kann.

 

Auch bei akuten gesundheitlichen Gefahren oder wenn medizinische und pflegerische Unterstützung notwendig sein sollte, möchten wir Ihnen einen stationären Aufenthalt empfehlen, um von den Möglichkeiten einer besonders intensiven psychologischen Betreuung und vieler weiterer unterstützender therapeutischer Behandlungskonzepte zu profitieren. Es hat sich übrigens herausgestellt, dass es für viele Patientinnen und Patienten sehr hilfreich sein kann, wenn sie erkennen, dass sie mit ihrer Essstörung nicht allein sind.

 

Die Dauer einer stationären Behandlung hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab; nicht zuletzt auch davon, welche Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Bei der Klärung dieser Frage sind wir Ihnen selbstverständlich gerne behilflich.

 

Aktuelle Patienten-Studien zeigen, dass die vollstationäre und die teilstationäre Behandlung einer Anorexia nervosa in etwa dieselben Erfolgsaussichten besitzen. Daher sollten Betroffene im Gespräch mit unseren Fachärztinnen und Fachärzten entscheiden, welche der beiden Behandlungsformen in ihrem individuellen Fall besser geeignet sein könnte.

Die Therapie einer Bulimie entspricht im Wesentlichen der Behandlung einer Magersucht. Schwerpunkt ist zunächst das (Wieder-)Erlernen eines normalen Essverhaltens, um das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl zu schulen. Parallel dazu begeben sich die Patientinnen und Patienten gemeinsam mit ihren Therapeuten-Teams auf die Suche nach den möglichen Auslösern und Ursachen ihrer Bulimie, um daraus die notwendigen Strategien zu entwickeln und diese erlernten neuen Verhaltensweisen auch später in ihrem Alltag beizubehalten.

 

Leider kommt es bei Bulimikern jedoch häufiger zu Rückfällen als bei magersüchtigen Menschen. Deshalb möchten wir dieser Patientengruppe auch nach einer erfolgreichen Therapie eine längerfristige und regelmäßige Nachsorge und Kontrollen empfehlen.

Bei der Behandlung der Binge-Eating-Störung steht zunächst die Normalisierung des Essverhaltens bei einer gleichzeitigen kontrollierten Gewichtsabnahme im Vordergrund. Darüber hinaus sollen die Patientinnen und Patienten versuchen, sich allen Faktoren bewusst zu werden, die zu ihrer Essstörung beigetragen haben könnten. Im optimalen Fall kann eine Binge-Eating-Störung ambulant behandelt werden, sodass sie ihre neu gewonnenen Erkenntnisse sofort im Alltag umsetzen können. Bei einer stärkeren Ausprägung oder einer vorhandenen Kombination mit anderen Erkrankungen empfehlen wir den Betroffenen jedoch einen stationären Aufenthalt mit anschließender ambulanter Nachsorge.

Wir versuchen immer, mit unseren Patienten auf Augenhöhe zu kommunizieren und therapeutische Maßnahmen gemeinsam zu besprechen, wobei ihnen jedoch immer die endgültige Entscheidung vorbehalten bleibt. Nach ihrem Aufenthalt bei uns begleiten wir sie auch während der Nachsorge – natürlich nur, wenn sie es möchten.
Dr. med. Jaroslav Malevani
Chefarzt Oberberg Somnia Fachklinik Köln Hürth

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