Narzissmus

Ein gewisses Maß an Selbstliebe ist nötig und wünschenswert. Ein Übermaß hingegen kann Probleme verursachen. „Narzissten sind selbstverliebt, geltungsbedürftig und schnell gekränkt.“ So, oder so ähnlich, würden die meisten Menschen charakteristische Merkmale beschreiben. Allerdings verbirgt sich hinter dem bekannten Begriff ein sehr komplexes und vielschichtiges Krankheitsbild. Eine Persönlichkeitsstörung kann zu hohem Leidensdruck führen, sodass eine Psychotherapie indiziert sein kann.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung Narzissmus oder narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Nicht jeder Mensch, der als narzisstisch bezeichnet werden kann, leidet unter einer Persönlichkeitsstörung. Es wird zwischen einem krankhaften Narzissmus und einem Narzissmus als gesunder Persönlichkeitseigenschaft unterschieden. Die krankhafte Form des Narzissmus wird „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ (NPS) genannt. Im Zentrum der NPS steht eine dysfunktionale Selbstwertregulation. Diese führt meist zu negativen Resultaten, wobei einige Narzissten jedoch über lange Zeit ihren Alltag ohne große Schwierigkeiten bewältigen können. Manche sind sogar aufgrund der auffälligen Eigenschaften ihrer narzisstischen Persönlichkeitsstörung besonders erfolgreich im Berufsleben.

Verschiedene Arten von Narzissmus

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung kann sich bei den Betroffenen auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. So können sowohl Menschen mit einem besonders hohen, oder besonders niedrigen Selbstwert, eine narzisstische Persönlichkeit haben. Um den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Symptome von Narzissmus Rechnung zu tragen, wurden in einer empirischen Studie, bei der behandelnde Psychotherapeuten über narzisstische Patienten befragt wurden, verschiedene Subtypen von Narzissmus herausgearbeitet. Diese Subtypen befinden sich nicht in den offiziellen psychiatrischen Manualen, werden aber in der Praxis häufig unterschieden. Der Hauptunterschied zwischen den verschiedenen Formen des Narzissmus liegt darin, wie die Betroffenen sich selbst wahrnehmen und nach außen präsentieren.

 

Menschen, die unter einer grandios-malignen Ausprägung von Narzissmus leiden, halten sich für übermächtig und zu großen Taten berufen. Wird diese übertriebene Selbstwahrnehmung gestört, wie beispielsweise eine mangelnde Anerkennung ihrer Großartigkeit durch Andere, reagieren die Narzissten mit grandios-maligner Ausprägung oft mit Wut und Gewalt.

 

Bei der vulnerabel-fragilen Ausprägung des Narzissmus zeigt sich die Selbstdarstellung in einer Form, dem Stereotyp der narzisstischen Persönlichkeitsstörung entspricht: Kritik und Misserfolge nehmen vulnerabel-fragile Narzissten sehr persönlich und reagieren auf ihr Scheitern mit einem Übermaß an Scham und Ängstlichkeit. Um Situationen zu vermeiden, in denen ihr Selbstwert infrage gestellt wird, geben sie sich betont bescheiden, selbstkritisch oder gehen sozialen Interaktionen aus dem Weg. Ihren größenwahnsinnigen Fantasien geben sie sich im Verborgenen hin. Schwer fällt den Narzissten dieser Ausprägung das Nachvollziehen von Gefühlen anderer Personen.

 

Narzissmus kann auch eine exhibitionistische Ausprägung haben. Betroffene tragen bei diesem Typus ihre Vorstellungen von Großartigkeit offen nach außen. Gegenüber anderen Menschen verhalten Sie sich oft gefühllos und kalt. Im privaten Kontext treten sie jedoch gelegentlich auch verunsichert oder ängstlich auf. In der Regel werden diese Gefühle von ihnen allerdings nicht Anderen gezeigt, denn sie versuchen sich in der Öffentlichkeit selbstbewusst zu präsentieren.

Symptome Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Was alle narzisstischen Persönlichkeitsstörungen miteinander vereint, ist die gestörte Wahrnehmung hinsichtlich der eigenen Person, im Vergleich mit anderen Menschen aus ihrem sozialen und kulturellen Umfeld. Dabei spielen die Aspekte von Selbstwert, Scham und Empathie eine wichtige Rolle. Je nach Ausprägung des Narzissmus können diese Aspekte unterschiedlich stark das Erleben und Verhalten der Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung beherrschen.

 

Das „Modell der doppelten Selbstwertregulation“ beschreibt diesen Zusammenhang. Demnach haben narzisstisch gestörte Menschen sowohl einen grandiosen Selbstanteil als auch einen besonders verletzlichen Selbstanteil. Sie neigen dazu, sich selbst zu idealisieren und hohe Ansprüche an sich zu haben. Wenn der verletzliche Selbstanteil durch negative Erlebnisse oder Gefühle von Scham, Angst oder Einsamkeit aktiviert wird, dann werden die für diese Menschen besonders bedrohlichen Gefühle durch eine Selbstidealisierung und Abwertung Anderer kompensiert. Dieser Mechanismus führt dazu, dass besonders „adaptive“ Bedürfnisse, wie Zugehörigkeit, Geborgenheit oder Ruhe, unterdrückt werden. Aufgrund dessen fällt es Narzissten schwer, gesunde, stabile und langfristige Beziehungen zu führen. Je nachdem, ob die Betroffenen unter einer grandios-malignen, vulnerabel-fragilen oder exhibitionistischen narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden, sind die spezifischen Symptome sehr unterschiedlich.

 

Zu typischen und häufigen Symptomen von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen zählen:

  • Aggressionen gegenüber Anderen, wenn sie das Gefühl haben, dass die Anderen ihre „Großartigkeit“ nicht anerkennen
  • Angst vor Enttäuschungen und anderen Menschen., bis zu einer Paranoia
  • Depressive Verstimmung, wenn die übertriebenen Ansprüche an sich selbst oder die Anderen nicht erfüllt werden
  • Starke und sehr belastende Schamgefühle
  • Fehlende Empathie oder mangelnder Wille sich einzufühlen

Ursachen Ursachen von Narzissmus

Es gibt noch kein ausreichend wissenschaftlich überprüftes Entstehungsmodell für Narzissmus. Es gibt jedoch verschiedene Theorien, die versuchen zu ergründen, warum ein Mensch narzisstische Merkmale in seiner Persönlichkeit entwickelt.

 

Nach aktuellen Erkenntnissen spielen dabei weniger genetische Einflüsse eine Rolle, sondern ungünstige Umwelteinflüsse, die auf gewissen Konstellationen in der Persönlichkeit treffen.

 

Als ursächliche Faktoren gelten:

  • Sonderrolle als Kind, mit geschätzten Besonderheiten
  • Unregelmäßige Überbewertung als Kind mit Besonderheiten erhalten
  • Deprivation in der Kindheit (kühle Atmosphäre der Eltern, Vernachlässigung, starke Abwertungen)
  • Bedingte Wertschätzung als Kind (wenn hohen Ansprüche der Eltern erfüllt und gute Leistungen erbringt)
  • Negative Erfahrungen in Interaktion mit Anderen (v.a. Feedback-Problematik)
  • Inkonsistenter Erziehungsstil der Eltern (z.B. Überbewertung und Abwertung im Wechsel)
  • Traumatisierungen, die zu Bindungs- und Mentalisierungs-Störungen führen
0,8- 6.4 %
der Allgemeinbevölkerung sind von eine rnarzisstischen Persönlichkeitsstörung betroffen.
Circa 75 %
der Personen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind Männer.

Behandlung & Therapie Therapie narzisstischer Persönlichkeitsstörungen

Bei der Behandlung von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen ist es wichtig, dass der Patient über die Krankheit aufgeklärt wird (Psychoedukation). Häufig suchen Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung klinische Kontexte aufgrund anderer Symptome, wie Substanzabhängigkeit oder Depressivität, auf. Narzisstische Verhaltensweisen und ihre Konsequenzen werden in der Regel nicht als Problem von den Betroffenen selbst erkannt und/oder anerkannt.

 

Um eine narzisstische Persönlichkeitsstörung erfolgreich behandeln zu können, muss zunächst eine sinnvolle Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen, insbesondere anderen Formen von Persönlichkeitsstörungen, vorgenommen werden.

Psychotherapie

Wichtig für den Erfolg und Effizienz von Psychotherapien ist, dass sich Patient und Therapeut auf Augenhöhe begegnen. Bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung kann es durch die überhobene Selbsteinschätzung des Patienten sehr schwierig sein, den Patienten für eine Psychotherapie zu motivieren, denn die Begegnung mit dem Therapeuten auf einer Ebene kann dabei eine Hürde darstellen. Auch ein respektvoller und authentischer Umgang während der Therapiesitzungen ist wichtig, um die narzisstische Persönlichkeitsstörung behandeln zu können.

 

Als erster Schritt wird in der Therapie dementsprechend versucht, bei dem Patienten ein Bewusstsein für die Störung als solche zu gewinnen. Therapeut und Patient analysieren dabei gemeinsam, wie Kränkungen im Leben des Patienten durch narzisstische Verhaltensweisen im Alltag kompensiert werden. Der Patient soll erlernen, zukünftig auf Enttäuschungen und Kränkungen mit neuen Umgangsformen zu reagieren. Außerdem wird in der Therapie an der Beziehungsfähigkeit des Patienten gearbeitet und Strategien werden entwickelt, die narzisstische Verhaltensweisen langfristig reduzieren können. 

 

Bislang gibt es keine manualisierten Therapieansätze und keine (kontrollierten) Therapiestudien, die Evidenzen zur Effektivität der Behandlung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen vorliegen.


Folgende psychotherapeutische Therapien werden in der Behandlung einer NPS eingesetzt:

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
  • Gesprächspsychotherapie
  • Kognitive Therapie
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
  • Modifikationen der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT)
  • Modifikationen der Übertragungsfokussierten Psychotherapie (TFP)
  • Psychoanalyse
  • Schematherapie
  • Verhaltenstherapie (VT)

Ergänzend dazu können zahlreiche weitere und verschiedene, ergänzende Verfahren und Fachtherapien integriert werden aus dem Behandlungskonzept der Oberberg Kliniken. Die Gestaltung der Psychotherapie ist dabei von der individuellen Lebenssituation des Patienten abhängig. Auch die eigene Biografie ist ein wichtiger Bestandteil der Psychotherapie.

Oberberg Fachkliniken Oberberg Fachkliniken für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen

In den Oberberg Fachkliniken verfügen wir über ein großes Behandlungsspektrum. Dazu gehört auch die Behandlung einer Persönlichkeitsstörung wie der NPS.

Es sind Therapien im vollstationären und teilstationären (tagesklinischen) Rahmen möglich. Ebenso im Einzel- und im Gruppenformat.

Wir behandeln auf Augenniveau und mit den wissenschaftlich aktuellsten Behandlungsansätzen. In einer ansprechenden und heilsamen Umgebung sollen sich unsere Patienten wie Gäste fühlen. Das Therapieprogramm ist dabei individuell gestaltbar und umfasst bei Bedarf auch eine Behandlung physiologischer Grunderkrankungen.

Häufig gestellte Fragen FAQ

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung, die durch eine gestörte Wahrnehmung der eigenen Person gekennzeichnet ist. Dabei spielen die Aspekte Selbstwert, Scham und Empathie eine wichtige Rolle. Je nach Ausprägung des Narzissmus können diese Aspekte unterschiedlich stark das Erleben und Verhalten beeinflussen. Es gibt verschiedene Subtypen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, mit unterschiedlichen Charakteristiken.

Es wird in der Psychotherapie zwischen drei Arten von Narzissmus unterschieden. Diese sind: grandios-maligner Narzissmus, vulnerabel-fragiler Narzissmus und exhibitionistischer Narzissmus:

Der grandios-maligne Narzissmus zeichnet sich dadurch aus, dass die Betroffenen sich selbst als übermächtig betrachten. Sie sehen sich zu großen Taten berufen und reagieren mit Wut und Gewalt auf Enttäuschungen.

Der vulnerabel-fragile Narzissmus ist dadurch charakterisiert, dass die Betroffenen auf Kritik und Misserfolge sehr ängstlich und depressiv reagieren.

Der exhibitionistische Narzissmus äußert sich dadurch, dass die Betroffenen ihre Vorstellungen von Größe und Wichtigkeit in die Außenwelt tragen und sich selbstsicher präsentieren. Sie tun dies, um Aufmerksamkeit, Respekt oder ähnliches zu erlangen, über die Sie sich dann definieren. Sie Verbinden oft ihren „Wert“ als Person mit der Aufmerksamkeit, die sie durch ihr Verhalten erhalten.

Narzisstische Persönlichkeitsstörungen sind hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen eine gestörte Wahrnehmung hinsichtlich ihrer eigenen Person im Vergleich zu ihrem sozialen und kulturellen Umfeld haben. Dabei spielen die Aspekte Selbstwert, Scham und Empathie eine wichtige Rolle. Je nach Ausprägung des Narzissmus können diese Aspekte unterschiedlich stark das Erleben und Verhalten der Betroffenen beherrschen.

Es gibt einige Symptome, die bei vielen Menschen mit narzisstischer Persönlichkeit auftreten. Da die Ausprägungen der Störung jedoch so verschiedenen sind, variieren die zweitrangigen Symptome sehr stark zwischen den Personen. Zu diesen Symptomen zählen: Aggressivität, depressive Stimmung, Paranoia, Ängstlichkeit, Scham und fehlende Empathie.

Zunächst ist das Ziel, dass der Patient darin Einsicht gewinnt, dass einige seiner Verhaltensweisen ihm und anderen schaden können. Ein Verständnis der Mechanismen, die dem jeweiligen Verhalten zugrunde liegen, kann helfen gesündere Umgangsweisen mit Verletzungen und Enttäuschungen zu erlernen. Durch Strategien für die Stärkung sozialer Beziehungen und die Reduzierung narzisstischer Verhaltensweisen, kann die Persönlichkeitsstörung erfolgreich behandelt werden. In der therapeutischen Beziehung wird der Fokus auf Behutsamkeit, Takt und Empathie gelegt.

Psychotherapeutische Therapien, die in der Behandlung von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen eingesetzt werden, sind:

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
  • Gesprächspsychotherapie
  • Kognitive Therapie
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
  • Modifikationen der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT)
  • Modifikationen der Übertragungsfokussierten Psychotherapie (TFP)
  • Psychoanalyse
  • Schematherapie
  • Verhaltenstherapie (VT)

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