Ein Bewegungsdrang (meist) der Beine, verbunden mit sensorischen Störungen bis zu Schmerzen, häufig verbunden mit Schlafproblemen: Das sogenannte „Restless Legs Syndrom“ (RLS) ist eine häufig auftretend neurologische Erkrankung. Sie ist auch unter „Syndrom der unruhigen Beine“ bekannt und kann gezielt behandelt werden. Betroffene haben oft einen hohen Leidensdruck.

Häufigkeit Prävalenz des Restless-Legs-Syndroms

Bei bis zu 10 %
der Allgemeinbevölkerung in Deutschland tritt ein RLS auf.
Bei bis zu 25 %
der Schwangeren tritt ein RLS auf.
Frauen sind häufiger von einem Restless-Legs-Syndrom betroffen als Männer.

Symptome Symptomatik des Restless-Legs-Syndroms

Menschen jedes Lebensalters können von einem Restless-Legs-Syndrom betroffen sein – insbesondere Personen mittleren Alters oder Ältere. Dabei treten folgende Symptome auf:

 

Psychisch: Die Erkrankung führt bei Betroffenen häufig zu Sorgen, Stress, Schlafstörungen und folglich zu kognitiven Leistungseinbußen.

 

Sozial: Berufliche bzw. schulische Leistungen können unter dem RLS leiden.

 

Motorisch: Es treten zirkadiane, also tagesrhythmische, Missempfindungen („Parästhesien“) auf. Davon betroffen sind meist die unteren Extremitäten, also die Beine, in seltenen Fällen sind die Arme betroffen. Mit den Missempfindungen geht ein Bewegungsdrang der Beine einher, wodurch es bei den Betroffenen nachts zu Schlafproblemen kommt. Dabei bereitet meist die Einschlafphase Schwierigkeiten. Auch während des Schlafs kommt es bei 80% der am RLS Erkrankten zu periodischen Beinbewegungen. Somit wird auch das Durchschlafen erschwert. Die Symptomatik des Restless-Legs-Syndroms kann auch in anderen Phasen körperlicher Inaktivität auftreten – wie beim Sitzen. Durch Bewegung  können die Missempfindungen teilweise oder vollständig gebessert werden. Der Zustand verschlechtert sich häufig am Abend beziehungsweise in der Nacht oder tritt ausschließlich zu dieser Tageszeit auf.

Diagnostik Diagnosestellung des Restless-Legs-Syndroms

Folgende vier Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Restless-Legs-Syndrom diagnostiziert werden kann:

  1. Die Symptome treten während (körperlicher) Ruhe auf
  2. Die Symptome treten verstärkt oder ausschließlich am Abend und in der Nacht auf
  3. Die Symptome lassen sich durch Bewegung/Betätigung der entsprechenden Gliedmaßen verbessern oder aufheben
  4. Die Symptome sind: Missempfindungen und starker Drang nach Bewegung, meist der Beine, aber auch der Arme

Zusätzlich können folgende Kriterien auf ein Restless-Legs-Syndrom hinweisen und die Diagnostik erleichtern:

  • Schlafstörungen und daraus resultierende Folgen wie Tagesmüdigkeit
  • Periodische Bewegungen der Beine
  • Familienangehörige mit einem RLS

Im Rahmen der Diagnostik sollte ein ausführliches Anamnese-Gespräch und eine umfassende klinische (insbesondere internistische und neurologische) Untersuchung erfolgen.

Ursachen Ursachen eines Restless-Legs-Syndroms

Häufig kann keine eindeutige Ursache für das RLS festgestellt werden (idiopathische Form). Nach aktuellem Wissensstand der Forschung gibt es für das Restless-Legs-Syndromaber häufig genetische (Mit-)Ursachen und familiär gehäuft auftretende Formen. Wissenschaftler fanden Gensequenzen, die zu einer höheren Wahrscheinlichkeit führen, am RLS zu erkranken.

Weiterhin werden für das Restless-Legs-Syndrom folgende Ursachen diskutiert:

  • Eisenmangel
  • Folsäuremangel
  • Vitamin-B-12-Mangel
  • Hormonellen Störungen
  • Niereninsuffizienz

Gefährdete Personengruppen, bei denen derartige Mangelerscheinungen häufig auftreten, sind Schwangere, ältere Meschen, Personen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, oder einer Niereninsuffizienz. Daraus folgt ein erhöhtes Risiko für ein RLS. Auch Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen, können ein RLS entwickeln.

Medikamente, die ein Restless-Legs-Syndrom bedingen können, sind:

  • Dopamin-Antagonisten
  • Metoclopramid
  • Antipsychotika
  • Antidepressiva
  • Lithium
  • Schilddrüsenmedikamente

RLS, psychische Erkrankungen und Psychopharmaka Restless-Legs-Syndrom im Rahmen der Behandlung psychischer Erkrankungen

Durch die Einnahme mancher Psychopharmaka kann ein sekundäres Restless-Legs-Syndrom ausgelöst werden. Dies kann durch die Einnahme von Atypischen Neuroleptika, die zur Therapie von Psychosen beispielsweise im Rahmen einer Schizophrenie eingesetzt werden, ausgelöst werden. Auch die Einnahme von Antidepressiva, beispielsweise zur Behandlung einer Depression oder Angststörung, kann dazu führen, dass ein RLS auftritt.

Als Komorbidität, also als zusätzliches Krankheitsbild zu einer Grunderkrankung, kann das Restless-Legs-Syndrom bei Angststörungen und Depressiven Störungen auftreten.

Behandlung Behandlung des Restless-Legs-Syndroms

Die Behandlung eines Restless-Legs-Syndroms richtet sich nach der Ursache.

Außerdem spielt der subjektive Leidensdruck eine große Rolle – bei milden bis moderaten Symptomen ist häufig z.B. nicht unbedingt eine medikamentöse Behandlung erforderlich.

 

  • Medikamentös: Als Medikamente werden u.a. L‑DOPA-Präparate und Dopaminagonisten zur Therapie eingesetzt. Wenn eine Behandlung mit diesen Medikamenten keine ausreichende Wirkung zeigt, können z.B. auch Opioide oder Antiepileptika angewendet werden.
  • Nicht-medikamentös: Auch eine ausgewogene Ernährung wird empfohlen. Faktoren, die gemieden werden sollten, sind übermäßiger Konsum von Alkohol, Kaffee und Wärmezufuhr, weil sie die Symptome verstärken können. Empfehlenswert ist eine moderate sportliche Betätigung im Alltag.

Für das Restless-Legs-Syndrom gibt es außerdem deutschlandweit Selbsthilfegruppen. Diese ermöglichen einen Austausch der Erfahrungen der Betroffenen, bieten Unterstützung und gemeinsame Aktivitäten.

Therapie bei Oberberg Therapie des Restless-Legs-Syndroms bei Oberberg

In den Oberberg Fachkliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unterstützen wir Menschen in schweren seelischen und psychischen Krisensituationen mit effizienten Behandlungskonzepten. Dabei glauben wir fest an das Zusammenwirken von Menschlichkeit, Verbundenheit und Evidenz in einer erstklassigen Umgebung, die von einer herzlichen Atmosphäre aus Achtsamkeit, Zugewandtheit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.

Menschen, die an einem Restless-Legs-Syndrom leiden, erhalten in den Oberberg Fachkliniken passende und effiziente Therapieangebote, die auf ihre Beschwerden und individuelle Situation angepasst sind.

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Häufige Fragen F.A.Q. zum Restless Legs Syndrom

Bei beiden Bezeichnungen handelt es sich um dasselbe Erkrankungsbild, die Bezeichnungen werden dabei nur variiert.

Nein. Ein Restless-Legs-Syndrom kann auch wieder verschwinden. Dies ist beispielsweise möglich, wenn hormonelle Umstellungen, Mangel an bestimmten Nährstoffen oder bestimmte Medikamente der Auslöser des RLS sind. Durch eine gezielte Behandlung ist dann eine Heilung möglich.

Nein. Eine Behandlung muss nicht immer indiziert sein. Eine wichtige Rolle spielt die Dauer bzw. Beständigkeit der Symptomatik sowie der Schweregrad der Beschwerden und der damit einhergehende Beeinträchtigungsgrad. Eine Diagnostik kann dabei helfen, die Ursache des Restless-Legs-Syndroms herauszufinden und daraus eine Empfehlung für die Behandlung abzuleiten. Wenn ein Mangel an Eisen der Auslöser ist, kann dieser schnell behoben werden.

 

Bartl, M., Trenkwalder, C., Muntean, M.-L. & Sixel-Döring, F. (2020). Restless-legs-Syndrom: ein Update. Somnologie, 14, 285-298.

 

Becker, J. (2020). Restless Legs Syndrom und Eisenmangel bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Dissertation, Freie Universität Berlin). Refubium FU Berlin. refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/28416 (zuletzt abgerufen: 15.06.2021)

 

Deutsche Restless Legs Vereinigung (Hrsg.) (o.D.). Alles über das Restless Legs Syndrom. Deutsche Restless Legs Vereinigung. restless-legs.org/restless-legs/ (zuletzt abgerufen: 17.06.2021)

 

Lieske, B., Röhrig, G., Becker, I., Schulz, R.-J., Polidori, M. C. & Kassubek, J. (2017). Stationär behandelte geriatrische patienten mit Eisenmangel-assoziiertem Restless-Legs-Syndrom. MMW – Frotschritte der Medizin, 159, 12-17.

 

Margraf, J. & Schneider, S. (2018). Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Berlin: Springer.

 

Stuck, B., Maurer, J. T., Schlarb, A., Schredl, M. & Weeß, H.-G. (2018). Praxis der Schlafmedizin. Berlin: Springer.