Angst- und Panikstörungen

Angstgefühle sind allen Menschen als natürliche Reaktion auf eine Bedrohung vertraut . Im Laufe der Evolution hat sich ein komplexes Alarmsystem etabliert, das uns in Stress­situationen und aus Gefahren retten soll. Dieses Alarmsystem, zu dem das Kerngebiet der Amygdala im Gehirn entschei­denden Beitrag leistet, sorgt auch für die zahlreichen körperlichen Symptome, die ein Angstgefühl begleiten.

Von Angststörungen sprechen wir dann, wenn dieses Alarmsystem in völlig unpassenden Situationen aktiviert wird, uns ständig belastet, unsere Handlungsspielräume einengt, uns lähmt oder in ständigem Vermeidungsverhalten gefangen sein lässt.

Unbehandelt neigen Angststörungen zu einer Chronifizierung und gehen oftmals mit Depressionen und psychosomatischen Begleiterkrankungen einher. Zu unterscheiden sind Angststörungen jedoch von körperlichen Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können, weswegen wir eine genaue fachärztliche Diagnosestellung und ärztliche Untersuchung empfehlen. Enge Verbindungen zu den Angsterkrankungen haben in der Symptomatik und Therapie Zwangserkrankungen und Posttraumatische Belastungsstörungen, diese sollten aber abgegrenzt werden.

Die Fachgesellschaften unterscheiden verschiedene Formen der Angsterkrankungen:

  1. Die Spezifischen Phobien treten als Angst vor konkreten Situationen, Ereignissen oder Begegnungen auf (z.B. Höhenangst, Flugangst, Spinnenangst u.s.w.).
  2. Menschen mit einer sozialen Phobie scheuen sich massiv, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer zu sein, befürchten ständig negative Bewertungen und vermeiden soziale Anlässe.
  3. Die Agoraphobie geht mit Angst vor Menschen­ansammlungen, freien Plätzen oder öffentlichen Räumen einher, verbunden mit dem beängstigenden Gefühl, keinen Fluchtweg zu haben oder dem Drang, umgehend flüchten zu müssen. Menschen mit Agoraphobie vermeiden daher öffentliche Verkehrsmittel, Autobahnen oder überfüllte Räumlichkeiten. Nimmt das Vermeidungsverhalten weiter zu, können manche Menschen ihr zuhause kaum mehr verlassen oder nur in Begleitung.
  4. Die Panikstörung ist durch anfallartige Attacken von Angst oder Todesangst mit oft körperlichen Symptomen wie Schweißausbrüchen und Luftnot gekennzeichnet. Die Angst vor einem Wiederauftreten eines solch bedrohlichen Ereignisses begründet eine ständige Angst vor der Angst und ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten für alle Situationen in denen das Auftreten einer Angstattacke für möglich gehalten wird.
  5. Eine generalisierte Angststörung ist im Gegensatz dazu von andauernden Sorgen, Befürchtungen und Bedrohungsgefühlen gekennzeichnet, die das Leben in verschiedenen Bereichen übermächtig bestimmen und sich oft zu Depressionen ausweiten.

Leider nehmen Menschen mit Angsterkrankungen aus Scham oft erst sehr spät Kontakt zu Behandlern auf. Dabei bieten sich für Angsterkrankungen insgesamt gute und erfolgreiche Therapiemöglichkeiten, je früher desto besser. Bewährt haben sich verschiedene psychotherapeutische und ggf. auch psychopharmakologische Unterstützungsangebote, die eine nachhaltige und deutliche Verbesserung der Lebensqualität bewirken.