Persönlichkeitsstörung Borderline

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung: ein Leben am Rande des Aushaltbaren

Was Betroffene der Borderline-Persönlichkeitsstörung (kurz BPS) durchmachen, können Angehörige und Freunde nur schwer nachvollziehen. Extreme Gefühlsschwankungen, das Gefühl anders zu sein, Suizidgedanken und Selbstverachtung – all diese Symptome gehören zum Leiden der BPS, genauer definiert als emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ.

 

Schätzungsweise 1 – 5 % aller Menschen leiden an BPS. Unser wissenschaftlicher Beirat, Prof. Dr. med. Martin Bohus spricht von einem Anteil von 1,2 % an der Allgemeinbevölkerung. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung galt anfänglich als typisch weibliche psychiatrische Störung. Neuere epidemiologische Studien konnten hingegen zeigen, dass BPS in der Allgemeinbevölkerung bei Männern und Frauen in etwa gleich häufig vorkommt.

Welche Symptome deuten auf Borderline hin?

Die BPS gilt als schwere psychiatrische Erkrankung, die durch ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild, in den Affekten sowie durch Impulsivität gekennzeichnet ist. Die Forschung geht heute davon aus, dass die BPS ab dem 5. – 6. Lebensjahr beginnt und Regulationsstörungen ab dem 8. – 10. Lebensjahr festgestellt werden können.

 

Betroffene haben Probleme, ihre Gefühle zu steuern. Sie leiden unter extremen Gefühlsschwankungen und an einer schweren Störung des Selbstwertes; das Selbstbild schwankt auch damit, dass sie sich scheinbar nicht auf ihre Gefühle und die Stabilität ihres Befindens verlassen können. Sie lehnen sich und den eigenen Körper ab. Sie können sehr schwer alleine sein, es fällt ihnen aber auch nicht leicht Beziehungen einzugehen. Oft scheitern partnerschaftliche Beziehungen, weil der gesunde Partner mit den Gefühls-, Stimmungs- und Selbstwertschwankungen des Borderline-Betroffenen nicht zurechtkommt. Auch zwischenmenschliche Probleme am Arbeitsplatz wirken sich negativ auf die soziale Funktionsfähigkeit aus.

 

Impulsives und selbstschädigendes Verhalten ist die Folge davon, dass Betroffene ihren Gefühlsausdruck nicht regeln und mitteilen können. Ein Zustand mehr oder weniger großer Anspannung ist das Ergebnis nicht regulierter Gefühle. Um diesen zu reduzieren, verletzen sich die Betroffenen selbst oder betäuben sich mit Alkohol oder Drogen. Etwa 78 % der Betroffenen entwickeln während ihres Lebens zusätzlich eine substanzbezogene Störung bis hin zu einer Abhängigkeitserkrankung.

 

Wichtig ist jedoch zu beachten, dass solche Verhaltensweisen auch im Rahmen anderer Störungen wie Depression oder posttraumatischen Störungen auftreten können. Auch die Grenze zur „Adoleszentenkrise“ ist fließend.

Therapie: Den Alltag wieder in den Griff bekommen

Die wichtigste Komponente in der Therapie der Borderline-Störung ist die Psychotherapie. Ergänzend kommen Medikamente zum Einsatz.

 

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist, dass der Behandelnde alle Aspekte und Ausprägungen der Erkrankung bei den Betroffenen erfasst. In der Rhein-Jura Klinik ordnen wir die zu behandelnden Aspekte der Wichtigkeit nach. Wir behandeln vorrangig Suizidgedanken oder -versuche sowie im nächsten Schritt Verhaltensmuster, welche den Fortgang der Therapie gefährden könnten. Die weitere Ordnung ergibt sich aus der individuellen Situation des Patienten.

 

Bei vielen Betroffenen hat sich die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) bewährt, für junge Erwachsene in einer für Adoleszente angepassten Form (DBT-A). Die DBT basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie, schließt u.a. auch Achtsamkeit ein und setzt sich zusammen aus Einzel- und Gruppentherapie (Skillstraining, Achtsamkeitsgruppe und Körpertherapie). Die DBT-A bezieht Familienangehörige mit ein.

 

Mehr zu unserer störungsspezifischen Psychotherapie lesen Sie hier auf unserer Website.

 

Wie lange eine Therapie sinnvoll ist, entscheidet sich je nach Einzelfall. Kurzzeittherapien eignen sich nicht, doch Betroffene werden für ihr Durchhaltevermögen belohnt: schon nach einem Jahr Einzeltherapie plus Training der Fertigkeiten können sie eine deutliche Stabilisierung und Verbesserung der Lebensqualität erreichen.

 

Wir behandeln bereits junge Erwachsene im Alter von 18 – 30 Jahren. Den jungen Menschen steht in unserer Klinik eine eigene Abteilung mit 12 Zweibett- und 4 Einzelzimmern zur Verfügung.

 

Lesen Sie hier alles über unser Angebot für junge Erwachsene.

 

Die Diagnose Borderline sollte und kann nur von einem Facharzt getroffen werden. Wenn Sie den Verdacht haben, an Borderline zu leiden, dann rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail! Wir helfen Ihnen.

 

Zu diesem Thema finden Sie hier einen Online Vortrag von Dr. Sonja Wahl.