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Depressive Episode: Welche depressiven Episoden gibt es?

Bei einer depressiven Episode tritt über einen abgrenzbaren Zeitraum eine Symptomatik auf, bei der folgende drei Hauptbeschwerden im Vordergrund stehen: Freudlosigkeit (Anhedonie), depressive Verstimmung und Antriebsmangel. Hinzu kommen weitere Symptome im Rahmen der depressiven Episode. Abhängig von der Anzahl der Beschwerden wird eine Einteilung in den Schweregrad der depressiven Episode (leicht, mittelgradig oder schwer) nach dem internationalen Krankheitsklassifikationssystem „ICD-10“ vorgenommen.

Symptomatik einer depressiven Episode

Laut ICD-10 dauert eine depressive Episode über mindestens zwei Wochen an. Die Episode ist dabei nicht auf den Konsum psychotroper Substanzen oder auf eine organische psychische Störung zurückzuführen. Für die Klassifikation als depressive Episode dürfen außerdem keine (hypo)manischen Symptome aufgetreten sein wie zum Beispiel übersteigerte Aktivität.

Hauptmerkmale (Symptome) sind:
  • Depressive, gedrückte Stimmung in einem für den/die Betroffene/n ungewöhnlichen Ausmaß. Diese liegt über die meiste Zeit des Tages sowie beinahe jeden Tag vor. Sie ist im Wesentlichen unbeeinflusst von äußeren Umständen.
  • Interessen- oder Freudlosigkeit
  • Verminderung des Antriebs oder erhöhter Ermüdbarkeit
Weitere (Zusatz-)Symptome sind:
  • Verlust des Selbstvertrauens oder Selbstwertgefühls
  • Unbegründete Selbstvorwürfe oder unangemessene Schuldgefühle
  • Wiederkehrende Gedanken an Tod, Suizid oder suizidales Verhalten
  • Vermindertes Konzentrationsvermögen oder Denkfähigkeit, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
  • Agitiertheit oder Hemmung der Psychomotorik
  • Schlafstörungen
  • Veränderter Appetit mit verändertem Gewicht

Somatisches Syndrom

Zusätzlich zur Depression kann auch eine Depression mit somatischem Syndrom diagnostiziert werden. Dazu müssen spezifische Symptome auftreten, die eine besondere Bedeutung für die Behandlung haben können. Sie werden „somatisch“ genannt. Ein Vorliegen oder Fehlen des somatischen Syndroms wird bei der Diagnostik einer depressiven Episode mitberücksichtigt. Menschen mit einem somatischen Syndrom sprechen häufig besonders gut auf die Behandlung mit Medikamenten, sogenannten Antidepressiva an. Ein somatisches Syndrom liegt dann vor, wenn vier der nachfolgenden Symptome vorhanden sind:

  • Deutlicher Interessenverlust oder Freudeverlust an sonst angenehmen Aktivitäten
  • Mangelnde Fähigkeit auf Ereignisse oder Aktivitäten emotional zu reagieren, auf die sonst emotional reagiert werden würde
  • Früherwachen aus dem Schlaf (mindestens zwei Stunden früher als gewöhnlich)
  • Morgentief
  • Starke psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
  • Deutlicher Appetitverlust
  • Gewichtsverlust von 5% oder mehr im letzten Monat
  • Deutlicher Libidoverlust

Schweregrad und Symptomausprägung

  1. Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen: Bei dieser Form gelten alle Symptomkriterien wie bei der schweren depressiven Episode, es ist jedoch auch entweder ein depressiver Stupor (völlige Erstarrung) ausgeprägt, anderenfalls Wahnideen oder Halluzinationen.
  2. Depressive Episode, gegenwärtig remittiert: Zum aktuellen Zeitpunkt und in den letzten Monaten liegen bzw. lagen keine Symptome einer depressiven Episode mehr vor.
  3. Sonstige depressive Episoden: Hierunter fallen depressive Episoden, die nicht den obigen üblichen Beschreibungen entsprechen. Sie sind dennoch durch Depressivität gekennzeichnet und zeitlich begrenzt. Unspezifische Symptome wie Anspannung oder anhaltende Schmerzen sind denkbare Beispiele. Somit kann eine depressive Episode einer atypischen Depression oder einer larvierten (verdeckten) Depression vorliegen.
  4. Depressive Episode nicht näher bezeichnet: Unter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine Depressive Episode einer Depression oder Depressiven Störung, ohne weitere Angaben zu dieser durch den oder die Diagnostiker/in.

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Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M. H. & Schulte-Markwort, E. (Hrsg.). (2020). ICD-10. Internationale Klassifikation psychischer Störungen. Hogrefe.

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (2017). ICD-10-GM Version 2018. Kapitel V. Psychische und Verhaltensstörungen. dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2018/block-f30-f39.htm (zuletzt abgerufen: 24.11.2021)

Nationale Versorgungsleitlinien (2015). S3-Leitlinie / NVL Unipolare Depression, Version 5, 2. Auflage. leitlinien.de/themen/depression/2-auflage/kapitel-2 (zuletzt abgerufen: 24.11.2021)

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