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Ängste bei Kindern erkennen und überwinden

Angst gehört zu den Basisemotionen des Menschen. Dass Kinder Angst zeigen, ist eine normale Reaktion auf viele Dinge und Geschehnisse im Alltag. Ängste bei Kindern können aber auch ein krankhaftes Ausmaß annehmen und sich zu einer psychischen Erkrankung entwickeln. Wenn die Ängste zu stark werden, sollte so früh wie möglich eine psychotherapeutische Behandlung eingeleitet werden, damit sich das Kind weiterhin psychisch und körperlich gesund entwickeln kann.

Das Erleben von Furcht und Angst ist Teil der gesunden Entwicklung eines Menschen, da Ängste uns dabei helfen, Gefahren einzuschätzen und zu meiden. Zunächst fürchten sich Kleinkinder überwiegend vor Ereignissen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Abstraktion, ihr Reflexionsvermögen und ihre Fähigkeit zur Unterscheidung von Realität und Fantasie sind nur begrenzt entwickelt. Schließlich entwickeln auch Kinder und Jugendliche abstrakte Ängste vor Dingen, die gerade nicht physisch vorliegen. Das können Trennungsängste sein, auch wenn die betroffene Bezugsperson gerade anwesend ist oder soziale Ängste, z.B. die Angst davor, mit gleichaltrigen zu agieren.

Wie entstehen Ängste bei Kindern?

Ängste können bei Kindern und Jugendlichen durch einen

  • überbehüteten, kontrollierenden, ängstlichen oder kühlen Erziehungsstil der Eltern,
  • ein unsicheres Bindungsverhalten,
  • belastende Lebensereignisse (z.B. Unfall, Scheidung der Eltern)
  • und genetische Faktoren bedingt werden.
  • Auch individuelle Faktoren des Kindes/Jugendlichen wie das Temperament, der Umgang mit ängstigenden Reizen und das Selbstbewusstsein können bei der Entwicklung von krankhaften Ängsten eine Rolle spielen.
  • Bei übermäßiger Trennungsangst kann auch eine stark symbiotische Beziehung zur Bezugsperson für die Ängste ursächlich sein.

Wenn Kinder vor einem bestimmten Reiz, zum Beispiel Hunden, Angst empfinden, kann sich die Angst verstärken, wenn sie diesen Reiz meiden. Wenn das Kind von nun an nie Kontakt mit einem Hund haben wird, kann es keine neuen positiven Erfahrungen sammeln. So ein Vermeidungsverhalten wird von Kindern erst erlernt. Eltern können hier positive oder negative Vorbilder sein. Wenn selbst vermeidendes Verhalten zeigen, fällt es Kindern schwerer, sich mit ihren Ängsten wirksam auseinanderzusetzen und sie zu überwinden.

Wie äußern sich die Ängste?

Ängste von Kindern können sich beispielsweise darin zeigen, dass sie sich weigern zur Schule zu gehen, dass sie klammerndes Verhalten gegenüber Bezugspersonen oder ängstliches Verhalten gegenüber Tieren zeigen, dass sie Höhen und Brückenüberquerungen meiden oder nicht Reisen wollen.

Die Grenze zwischen einem gesundem und einem pathologischen Ausmaß an Angst ist oft fließend.

Ängste werden dann zu stark, wenn sie die Kinder/Jugendlichen in ihrem Alltag beeinträchtigen und in ihren Aktivitäten beschränken. Insbesondere wenn Aktivitäten, die für die Entwicklung der jungen Menschen wichtig sind (Schulbesuch, Kontakt zu Gleichaltrigen etc.) aufgrund von starken Ängsten nicht mehr möglich sind, ist eine Therapie angezeigt. Die Kinder/Jugendlichen verbergen ihre Ängste auch teilweise und fallen nicht auf, da sie eher sozial zurückhaltend sind, wenig reden und in familiären und schulischen Kontexten nicht stören. Häufig treten durch die Ängste auch psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Atemnot, starkes Schwitzen und Herzklopfen bei den Kindern und Jugendlichen auf.

Mögliche mit krankhaften Ängsten verbundene Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen sind eine Störung mit Trennungsangst, eine Panikstörung, eine Agoraphobie, Spezifische Phobie oder Soziale Phobie, eine Zwangsstörung, eine Generalisierte Angststörung oder eine Akute oder Posttraumatische Belastungsstörung. Es können beispielsweise auch Schulvermeidungsverhalten, Prüfungsangst oder Selektiver Mutismus (Unfähigkeit in bestimmten Situationen zu sprechen) vorliegen.

Nachtschrecke bei Kindern

Nachtschrecke (Pavor nocturnus) treten ein bis vier Stunden nach dem Einschlafenauf und lassen das Kind mit einem Schrei aus dem Schlaf schrecken. Häufig treten oder schlagen die Kinder daraufhin mit ihren Gliedmaßen wild um sich, ihr Herz schlägt schnell, sie sind verschwitzt, vermeiden beruhigende Berührungen und sind nicht ansprechbar. Ebenso plötzlich schlafen sie dann weiter. Am kommenden Morgen besteht bei den Kindern keine Erinnerung über den Nachtschreck. In diesem Fall der Angst bedarf es keinerlei Behandlung.

Die Ursache liegt mutmaßlich in einer Übererregung des zentralen Nervensystems (ZNS), am Schlafen in fremder Umgebung oder in der Einnahme von Medikamenten.

Sie können ihr Kind dadurch unterstützen, dass Sie Zu-Bettgeh-Rituale und regelmäßige Schlafenszeiten schaffen sowie Stress und Übermüdung des Kindes vermeiden. Ein gezieltes Erwecken des Kindes aus dem Nachtschreck ist nicht sinnvoll, hingegen die Sicherstellung, dass es sich nicht verletzen kann und beruhigende Worte. Tritt die Nachtschreck häufig auf, sollte die Konsultation eines Kinder- und Jugendpsychiaters oder Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten erfolgen.

Was sind die Folgen und wie wird therapiert?

Werden starke Ängste von Kindern und Jugendlichen nicht behandelt, ist eine Chronifizierung und ein Fortbestehen bis ins Erwachsenenalter möglich. Besonders ein früher Beginn (vor dem 13. Lebensjahr), negative Lebensereignisse und das Vorliegen anderer psychischer Störungen (insbesondere somatoforme Störungen oder Substanzkonsumstörungen) steigern das Risiko einer Chronifizierung von Ängsten.

Zur Behandlung von Ängsten bei Kindern und Jugendlichen kann eine Psychotherapie erfolgen. Oft kommt dabei die Kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz. Dabei wird beispielsweise eine Konfrontation des gefürchteten Reizes abgestuft durchgeführt (graduierte Exposition). Die Therapie kann ambulant, teilstationär oder stationär erfolgen. Für manche Ängste ist eine stationäre Therapie anzuraten wie beispielsweise bei starken Trennungsängsten. Eine Gabe von Medikamenten ist möglich, aber in vielen Fällen nicht notwendig.

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Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie Deutschland und Schweiz (Hrsg.). (o.D.). Warnzeichen: Ängstlichkeit und Angstzeichen für behandlungsbedürftige Ängste. Neurologen und Psychiater im Netz. neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/warnzeichen/aengstlichkeit-anzeichen-fuer-behandlungsbeduerftige-aengste/aengstlichkeit-und-normgerechte-aengste/ (zuletzt abgerufen: 23.07.2021)

Lieb, K., Frauenknecht, S., & Brunnhuber, S. (2008). Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. München: Elsevier.

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