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Ängste während der SARS-Cov-2-/ Covid-19-Pandemie

Die Pandemie ist eine uns überwiegend unbekannte Situation, die unterschiedliche Emotionen bewirken kann. Durch Kontaktverbote, Schutzmaßnahmen und ein eingeschränktes öffentliches Leben veränderte sich unser Alltag. Bei vielen Menschen führt diese fremde Situation zu einer Entstehung von Ängsten, oder einer Verstärkung bereits bestehender Ängste. Dr. med. Jähne, ärztlicher Direktor und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie der Oberbergklinik Rhein-Jura, berichtet: "Während es in den ersten Wochen und Monaten vor allem die Sorge vor einer Corona-Infektion und dem Verlust naher Angehöriger war, was die Menschen beschäftigte und ihnen Angst machte, so haben sich die Angstauslöser im Laufe der Zeit verändert. Es ist immer öfter die blanke Existenzangst, die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, vor Schuldenbergen und Überschuldung, worauf einige Menschen depressiv und panisch reagieren."

 

Die häufigsten Ängste, in der aktuellen SARS-Cov-2-/ Covid-19-Pandemie, lassen sich folgenden Bereichen zuordnen:

  • Wirtschaft und Finanzen (der eigenen Person und Familie)
  • Gesundheit und Tod (der eigenen Person und Nahestehender)
  • Soziale Kontakte und Stellung
  • Veränderungen und Konsequenzen für Deutschland und die Welt


Im Rahmen der SARS-Cov-2-/ Covid-19-Pandemie kam es in der Bevölkerung in Deutschland am häufigsten zu folgenden Ängsten:

  • Angst vor einem Konjunktureinbruch
  • Angst vor Arbeitslosigkeit (Existenzangst)
  • Angst davor, dass nie wieder Normalität einkehrt
  • Angst vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  • Angst vor einem sozialen Abstieg
  • Angst vor der finanziellen Zukunft (Bezahlung von Miete, Lebensmittel etc.)
  • Angst vor der Ansteckung mit dem Virus
  • Angst vor einer Zunahme an Pandemien in Zukunft
  • Angst, dass sich Nahestehende anstecken (Verlustängste)
  • Angst vor dem eigenen Tod
  • Angst vor einer Vereinsamung durch Kontaktbeschränkungen
  • Angst vor einer mangelnden Versorgungslage in Deutschland (Lebensmittel etc.)

Angst überkommt den Menschen meist unfreiwillig und unkontrolliert. Sie ist jedoch nicht als negativ zu werten, denn sie erfüllt einen wichtigen Zweck: Sie warnt den Menschen vor etwas potenziell Bedrohlichem oder (Lebens-)Gefährlichem. Sie aktiviert unseren Schutz- und Überlebensmechanismus seither in der Evolution. Als problematisch ist die Angst erst anzusehen, wenn sie dauerhaft und/oder unangemessen wird. In diesem Ausmaß macht Angst den Menschen krank, sodass eine Behandlung erforderlich wird.

Auch bereits an Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen Erkrankte, können durch die Pandemie einen Zuwachs an innerer und äußerer Symptomatik erfahren. Angst vor Keimen, gehäuftes Händewaschen, tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, sowie die ständig lauernde unsichtbare Gefahr, können dies verursachen. Ein Grübeln wird insbesondere durch den Wegfall vieler Aktivitäten, im privaten wie im beruflichen Bereich, begünstigt.

Verhaltensmuster, um die unbekannte Situation zu bewältigen, sind oft nicht erprobt oder vorhanden. Dr. med. Jähne sagt: „Bei uns machen sich die Folgekrankheiten der Corona-Pandemie und des Lockdowns bemerkbar.“
Eine angemessene Reaktion ist zum Schutz vor einer folgenden Störung unabdingbar und kann (wieder-)erlernt werden.

 

Das Post-SARS-Cov-2-/ Covid-19-Syndrom (PSCS)

Die Pandemie verzeichnet vielerlei Auswirkungen und Folgen. Im Bereich der Gesundheit, physiologisch und psychisch, lassen sich auch diese deutlich erkennen.
Das neue Post-SARS-Cov-2-/ Covid-19-Syndrom entsteht durch die psychosozialen Folgen der Pandemie und ihren Schutzmaßnahmen, es ist ein psychosomatisches Erkrankungsbild. Die Kardinalsymptome sind:

  • Abgeschlagenheit
  • rasche Erschöpfbarkeit
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei geringer Belastung, verbunden mit einer Kurzatmigkeit (mit einer Zeitverzögerung von 24-28h nach der Anstrengung)

Seelische Belastungsfolgen sind:
Ängste, Abhängigkeitserkrankungen, Depressionen, Zwangs- und Traumafolgestörungen und weitere psychische Erkrankungen. Durch verschobene oder ausgefallene Behandlungen können Komplikationen bestehender psychischer Erkrankungen eintreten. Auch Konflikte in der Partnerschaft, der Familie oder finanzielle Sorgen können zu einem verstärkten Belastungserleben führen.

 

Therapie des Post-SARS-Cov-2-/ Covid-19-Syndrom (PSCS)

In den Oberberg Kliniken wird eine interdisziplinäre Diagnostik vorgenommen, sowie eine Bestimmung des Schweregrads der Symptomatik. Um diese zu verbessern liegt ein multimodales psychosomatisches Behandlungsprogramm vor, das mit einem individuellem Therapiesetting zur Besserung führt. Basierend auf den Empfehlungen von ähnlichen Beschwerde- und Störungsbildern, wie dem Erschöpfungssyndrom oder chronischen Schmerzsyndrom, wurde dieses abgeleitet und neu entwickelt, denn aktuell liegen keine etablierten Leitlinien zur Behandlung vor.

Während der Therapie kann in den Oberberg Fachkliniken gleichzeitig eine Behandlung von organischen Erkrankungen stattfinden.

Als Basistherapie sehen wir vor:
Eine interdisziplinäre, vor allem internistische Behandlung der Grund- und Folgeerkrankungen (nach Bedarf).

Und als ergänzende Therapien (nach Bedarf):
- Atemtherapie
- Ernährungstherapie und -beratung
- Fachtherapien (Übungs- und Sportprogramme, Kreativtherapien, Entspannungsverfahren)
- Physiotherapie
- Psychotherapie/ psychosomatische Behandlung (Stressreduktion, Achtsamkeit, kognitive Therapien)
- Schlafregulierung
- Schmerzmanagement
- Psychopharmaka

 

Wir unterstützen Sie auf Ihrem Weg zurück in Ihr gewohntes Leben und helfen Ihnen die Krise zu bewältigen.

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