Immer mehr Menschen sind von Depressionen betroffen. Die Depression wird als „Volkskrankheit“ bezeichnet und stellt eine enorme Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen dar. Deshalb ist die erfolgreiche Therapie von Depressionen so wichtig. Die psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung von Depressionen wird immer weiter erforscht und verbessert. Den meisten Menschen geht es nach einer professionellen Behandlung besser, viele Menschen erkranken danach nie wieder an Depressionen. In einigen Fällen schlagen herkömmliche psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungen jedoch nicht an. In solchen Fällen spricht man von „therapieresistenter Depression“. Aber auch bei therapieresistenter Depression besteht noch Hoffnung auf Heilung.

Definition Was sind Depressionen?

Bei Depressionen handelt es sich um weit verbreitete psychische Störungen, bei denen Betroffene unter Niedergeschlagenheit und sehr schlechter Stimmung leiden. Viele an Depressionen erkrankte Menschen können keine Freude mehr empfinden, verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen früher wichtig waren und können sich kaum noch dazu motivieren, Alltagsaktivitäten nachzukommen oder Aufgaben zu erledigen. Zusätzlich können auch körperliche Symptome wie Schmerzen auftreten.

Depressionen gehören zu den häufigsten psychiatrischen Krankheiten. Für Männer liegt eine Wahrscheinlichkeit von 12-16% vor, im Laufe ihres Lebens an einer Depression zu erkranken. Bei Frauen liegt die Wahrscheinlichkeit sogar noch höher – bei 20-26%. Zudem zeigen Studien, dass depressive Erkrankungen weiter zunehmen und immer häufiger diagnostiziert werden. Besonders bei jungen Menschen bis 29 Jahre ist ein Zuwachs an depressiven Erkrankungen zu verzeichnen.

Behandlung Psychotherapeutische Behandlung von Depressionen

Depressionen sollten im besten Fall psychotherapeutisch und in schwereren Fällen begleitend medikamentös behandelt werden. Zur Behandlung von Depressionen eignen sich verschiedene psychotherapeutische Therapieverfahren. Als besonders effektiv, um eine schnelle Abnahme der Symptome herbeizuführen, hat sich die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen. Dabei handelt es sich um ein therapeutisches Verfahren, das die Symptome der Patienten gezielt angeht und auf die individuellen Probleme der Patientinnen und Patienten eingeht, damit das persönliche Leiden reduziert und eine aktive Alltagsgestaltung wieder möglich wird. Dazu werden in strukturierten Therapiesitzungen verschiedene Schritte angegangen, um das Krankheitsbild der Depression zu behandeln. Der Patient oder die Patientin soll ihre Aktivität steigern, an ihren sozialen Kontakten arbeiten, falsche Überzeugungen über sich aufgeben lernen und Problembewältigungsstrategien für den Alltag und für zukünftige Krisen erlernen. Dabei werden in der Therapie Probleme analysiert, Übungen durchgeführt, Hausaufgaben aufgegeben und besprochen.

Pharmakologische Behandlung Pharmakologische Behandlung von Depressionen

Depressionen werden medikamentös mit sogenannten Antidepressiva behandelt. In Deutschland gibt es ca. 30 zugelassene Wirkstoffe, die zu diesem Zweck eingesetzt werden. Antidepressiva wirken nicht sofort, sondern schlagen meistens nach drei bis sechs Wochen an. Die Medikamente zielen darauf ab, die Konzentration der wichtigen Botenstoffe (Neurotransmitter) Noradrenalin und Serotonin im Gehirn zu erhöhen. Ihre Wirkweise und auch ihre Nebenwirkungen unterscheiden sich jedoch strak. Je nach Lebenslage, weiteren Krankheiten und eingenommenen Medikamenten, wird ein bestimmtes Antidepressivum für den Patienten oder die Patientin in Absprache mit psychiatrischem Fachpersonal ausgewählt.

Therapieresistente Depressionen Therapieresistente Depressionen – Wenn die normale Behandlung nicht anschlägt

Wenn infolge von psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlungen keine Besserung der depressiven Symptome auftritt, wird von einer therapieresistenten Depression gesprochen. Je nach Definition kann eine therapieresistente Depression auch schon vorliegen, wenn zwei Versuche der medikamentösen Behandlung fehlgeschlagen sind. In manchen Fällen kann es vorkommen, dass die Therapie nicht richtig durchgeführt worden ist und deshalb nicht angeschlagen hat. In solchen Fällen spricht man von „Pseudotherapieresistenz“.

 

Besonders bei der Behandlung von schweren depressiven Episoden kommt es vor, dass es kaum zu einer Verbesserung der Symptomatik kommt, weil die Patienten und Patientinnen die Angebote entweder nicht in Anspruch nehmen oder die Behandlung, die sie erhalten, nicht dem Standard entspricht. Selbst bei Patienten und Patientinnen mit schweren Depressionen, die eine angemessene Behandlung erhalten, kommt es nur bei 30 % zu einer vollständigen Heilung oder Remission. Die übrigen 70 % sprechen bei der ersten Behandlung entweder ohne Remission (etwa 20 %) oder überhaupt nicht an (50 %). Patienten und Patientinnen, deren depressive Störung nicht zufriedenstellend auf eine angemessene Behandlung anspricht, leiden unter einer Depression, die als behandlungsresistente oder therapieresistente Depression (TRD) bezeichnet wird. Bei therapieresistenter Depression handelt es sich um ein komplexes Phänomen, das eine Vielzahl von Unterkategorien von Depressionen umfasst. Außerdem liegen häufig weitere psychiatrische und medizinische Erkrankungen vor, die gleichzeitig mit Depressionen auftreten können und eine erfolgreiche Behandlung erschweren. Therapieresistente Depression stellt eine häufige und schwierige Herausforderung für Psychiaterinnen, Ärztinnen und Psychotherapeuten dar. Therapieresistente Depressionen verursachen hohe medizinische Kosten und sind für die Betroffenen und das Gesundheitssystem eine große Belastung.

Hilfe bei therapieresistente Depression Was kann gegen eine therapieresistente Depression unternommen werden?

Da eine schwere Depression im besten Fall mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden sollte, können nach fehlgeschlagenen ersten Therapieversuchen die Behandlungsmethoden umgestellt werden. Menschen reagieren unterschiedlich auf Psychopharmaka. Es ist möglich, dass ein herkömmliches Antidepressivum nicht anschlägt, ein anderer Wirkstoff jedoch schon. Solche Umstellungen erfordern jedoch Zeit und eine enge psychiatrische Betreuung durch Fachpersonal. Das gleiche gilt für Psychotherapie – nicht jedes Verfahren ist für jede Person oder jedes Krankheitsbild geeignet. Auch hier lohnt es sich, eventuell ein Behandlungsverfahren zu wechseln. Je nach Schwere und Ursachen der Depression, sind manche Verfahren geeigneter als andere. Auch die Persönlichkeit der Patientin oder des Patienten ist ein wichtiger Faktor.

Weitere Behandlungsformen der Depression

Behandlung mit Strom

Wenn herkömmliche Behandlungen, auch nach Jahren der Therapie, nicht anschlagen, wird in manchen Fällen die Elektrokonvulsionstherapie zur Behandlung von schweren Depressionen angewendet. Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist ein Hirnstimulationsverfahren: Unter Vollnarkose und Muskelentspannung wird ein Krampfanfall ausgelöst, durch den eine therapeutische Wirkung eintritt. Bei einer Elektrokonvulsionstherapie werden 2- bis 3-mal wöchentlich insgesamt 6 bis 12 Behandlungen durchgeführt. Wie genau die Therapie wirkt und warum sie anschlägt, ist nicht bis ins letzte Detail geklärt. Die Stromdurchflutung im Gehirn verläuft unspezifisch, es werden dabei nicht präzise bestimmte Areale stimuliert, sondern das ganze Gehirn. Trotzdem ist die Wirksamkeit des Verfahrens ausführlich untersucht worden und hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Weil das Verfahren starke Nebenwirkungen haben kann – wie einen Gedächtnisverlust (retrograde Amnesie) – wird es jedoch nur bei erwiesener Therapieresistenz und starkem Leidensdruck angewendet. Als Alternative steht außerdem die Transkranielle Magnetstimulation zur Verfügung, bei der Reize gezielter auf das Gehirn wirken. Sie hat sich als verträglicher, aber weniger wirksam erwiesen.

 

Behandlung mit Ketamin

 

Eine weitere Hoffnung für Patienten und Patientinnen mit therapieresistenter Depression ist der Einsatz von Ketamin. Die Substanz wird als Anästhetikum in der Tiermedizin verwendet oder auch als Partydroge konsumiert. Momentan wird sie als besonders schnell wirkendes Antidepressivum erforscht. Ketamin hat sich bei Menschen mit therapieresistenter Depression als stimmungsaufhellend bei intravenöser, niedrig dosierter Anwendung erwiesen. Ketamin wirkt im Gehirn anders als herkömmliche Antidepressiva, was ein Grund dafür sein könnte, dass es bei therapieresistenten Depressionen anschlägt. Allerdings ist die Wirkung von Ketamin noch nicht ausreichend erforscht. Problematisch können Nebenwirkungen sein, die sich zum Beispiel daraus ergeben, dass Ketamin auch halluzinogen wirken und zu Wahnvorstellungen führen kann. Auch der Aspekt einer möglichen Abhängigkeitsentwicklung ist ein Problem für die Behandlung. Um sichere Aussagen über die Wirksamkeit treffen zu können, muss Ketamin als Antidepressivum noch weiterhin erforscht werden.

Oberberg Kliniken bei therapieresistente Depression Wir behandeln Patienten nicht nur, wir behandeln sie wie unsere Gäste

In den Oberberg Kliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unterstützen wir Menschen in schweren seelischen Krisensituationen mit effizienten Behandlungskonzepten. Dabei glauben wir fest an das Zusammenwirken von Menschlichkeit, Verbundenheit und Evidenz in einer erstklassigen Umgebung, die von einer herzlichen Atmosphäre aus Achtsamkeit, Zugewandtheit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.

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Mehr Informationen

Bschor, T., Bauer, M. & Adli, M. (2014). Chronische und therapieresistente Depression. Deutsches Aerzteblatt International, 111(45).

 

Jaksch, W., Likar, R. & Aigner, M. (2019). Ketamin: Einsatz bei chronischen Schmerzen und Depression. Wiener Medizinische Wochenschrift, 169(15), 367–376.

 

Margraf, J. & Schneider, S. (2018). Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2: Psychologische Therapie bei Indikationen im Erwachsenenalter (4., vollständig überabeitete und aktualisierte Auflage). Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54909-4

 

Plewnia, C. & Padberg, F. (2012). Transkranielle und invasive Hirnstimulationsverfahren bei Depression. Der Nervenarzt, 83(8), 1006–1012.