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  • Saisonal abhängige Depression (SAD) - mehr als nur ein Winterblues

    Rund ein bis zehn Prozent der Menschen in Europa sind von einer saisonalen Depression betroffen, doch nicht jedes Stimmungstief im Herbst oder Winter ist gleich eine. Hier erfahren Sie, woran Sie eine saisonale Depression erkennen, wodurch sie sich vom Winterblues unterscheidet und wie sie sich behandeln lässt.

    Junge Frau mit geschlossenen Augen steht im Freien

    Anzeichen einer saisonalen Depression

    Woran Sie eine saisonale Depression erkennen

    Welche Beschwerden typisch sind, was sie von einer klassischen Depression unterscheidet und woran Sie das wiederkehrende Muster erkennen

    Körperliche Anzeichen
    Zu den körperlichen Beschwerden zählen extreme Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, Heißhunger-Attacken (meist auf Kohlenhydrate), Schlafstörungen oder ein erhöhtes Schlafbedürfnis, Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel, Herzbeschwerden, Libidoverlust und Magen-Darm-Beschwerden.
    Psychische Anzeichen
    Häufig treten eine gedrückte Stimmung, die besonders morgens stark ist, innere Unruhe, Lust- und Freudlosigkeit, innere Leere, negative Denkmuster und ständiges Grübeln, Konzentrationsstörungen, Angst- und Schuldgefühle, sozialer Rückzug sowie Minderwertigkeitsgefühle auf.
    Heißhunger und mehr statt weniger Schlaf
    Anders als bei einer klassischen Depression, bei der Appetitlosigkeit und Schlafstörungen typisch sind, zeigen sich bei einer saisonalen Depression oft gegenteilige, „atypische“ Symptome: Heißhunger auf Kohlenhydrate, Gewichtszunahme und ein deutlich erhöhtes Schlafbedürfnis. Laut Samer Schleusener, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Oberberg Fachklinik Rhein-Jura, unterscheidet genau dieser Symptom-Wechsel eine saisonale Depression von einer Depression, die durch psychosoziale Stressfaktoren ausgelöst wird.
    Ein wiederkehrendes saisonales Muster
    Die Beschwerden treten typischerweise im Herbst oder zu Winterbeginn auf und klingen im Frühling oder spätestens im Sommer wieder vollständig ab. Für eine Diagnose müssen die depressiven Episoden mindestens zwei Jahre in Folge im gleichen Zeitraum auftreten, ohne dass sich das durch andere Umstände erklären lässt.
    Frau steht mit geschlossenen Augen zwischen fallenden Blättern im Park

    Unsere Kliniken für saisonale Depression in Deutschland

    In diesen Kliniken behandeln wir Depression auf höchstem Niveau:

    Standorttyp

    Was ist eine saisonale Depression?

    Definition, Formen und Verbreitung

    Definition von saisonal abhängiger Depression
    Eine saisonale Depression (SAD, seasonal affective disorder) beginnt in der Regel im Herbst und remittiert im Frühling oder Sommer wieder vollständig. Nach ICD-10 wird sie als Subtyp der rezidivierenden depressiven Störungen mit saisonalem Muster (F33) eingeordnet, nach DSM-5 ist für die Diagnose ein mindestens zweijähriger, gleichartiger saisonaler Verlauf nötig
    Winterform, Sommerform und Winterblues
    Am häufigsten tritt die Winterform auf, bei der die Symptome im Herbst oder zu Winterbeginn beginnen. Nur selten liegt stattdessen eine Sommerform vor, bei der depressive Symptome ausschließlich in den wärmeren Monaten auftreten. Von der eigentlichen saisonalen Depression abzugrenzen ist außerdem der sogenannte Winterblues: eine deutlich mildere, nicht behandlungsbedürftige Verstimmung.
    Wie häufig ist die saisonale Depression?
    Die Prävalenz einer Herbst- oder Winterdepression liegt in den USA und Europa zwischen einem und zehn Prozent, in nördlicheren Ländern häufiger als in südlichen. Für Österreich und die Schweiz zeigen Erhebungen, dass jährlich etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer.
    Wie verläuft eine saisonale Depression über mehrere Jahre?
    Über 80 Prozent der Betroffenen erleben im darauffolgenden Winter erneut eine depressive Episode. Langzeitstudien zeigen, dass fünf bis elf Jahre nach der Diagnose noch 22 bis 42 Prozent betroffen sind. Bei 33 bis 44 Prozent entwickelt sich daraus eine nicht-saisonale Depression, bis zu 18 Prozent remittieren vollständig, bei sechs Prozent bleibt eine milde Vorstufe bestehen.
    Mann erklärt einer Frau etwas im Gespräch im Grünen

    Therapien

    Behandlung von saisonaler Depression

    Eine saisonale Depression lässt sich in der Regel gut behandeln. Mittel der ersten Wahl ist laut der Nationalen Versorgungsleitlinie Unipolare Depression die Lichttherapie, häufig in Kombination mit weiteren Therapiebausteinen je nach Schweregrad der Erkrankung.

    Person sitzt auf einem Steg und blickt auf ruhiges Wasser

    Zur Behandlung von saisonal abhängigen Depressionen setzen wir unter anderem diese Therapieverfahren ein:

    Wie die Oberberg Kliniken saisonale Depression behandeln

    Im Zentrum der Behandlung steht die Lichttherapie: Die Patienten sitzen dabei täglich, möglichst direkt nach dem Aufstehen, für 30 bis 45 Minuten vor einer speziellen Lichtlampe mit einer Lichtstärke von 9.500 bis 10.500 Lux, in 50 bis 80 Zentimeter Entfernung. Ein positiver Effekt zeigt sich häufig bereits nach wenigen Tagen, spätestens nach zwei bis drei Wochen; nach aktuellem Kenntnisstand profitieren zwischen 60 und 90 Prozent der Behandelten davon. Je nach Schweregrad kombinieren wir die Lichttherapie mit Psychotherapie, mit Vitamin-D-Gabe oder mit einer medikamentösen Behandlung.

    Nächster Schritt

    Winterblues oder behandlungsbedürftige saisonale Depression?

    Nicht jede Herbst- oder Winterverstimmung ist gleich eine saisonale Depression. Unser Team berät Sie unverbindlich, ob und welche Behandlung für Sie sinnvoll ist.

    Ursachen einer saisonalen Depression

    Wie eine saisonale Depression entsteht

    Lichtmangel als Hauptauslöser
    Der Rückgang der Sonnenstunden im Herbst und Winter gilt als wichtigster Auslöser: Fehlendes Licht bringt den Hormon- und Neurotransmitterhaushalt sowie die innere Uhr aus dem Gleichgewicht. Wie stark sich das auswirkt, zeigt der Regionenvergleich: In nördlichen Ländern wie Skandinavien oder Alaska tritt die Erkrankung bis zu fünfmal häufiger auf als in südlicheren Gegenden, wo sie kaum bekannt ist.
    Veränderter Hormon- und Botenstoffhaushalt
    Bei Lichtmangel produziert der Körper tagsüber vermehrt das Schlafhormon Melatonin, während der für Ausgeglichenheit und Zufriedenheit zuständige Botenstoff Serotonin im Mangel vorliegt. Dieses Ungleichgewicht kann die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen stören und so zu den typischen Beschwerden führen.
    Vitamin-D-Mangel
    Auch ein Mangel an Vitamin D gilt als mögliche Ursache: Ab dem 40. Breitengrad reicht die Sonneneinstrahlung im Winter nicht mehr aus, um die körpereigene Vitamin-D-Synthese über die Haut aufrechtzuerhalten.
    Individuelle Risikofaktoren
    Neben genetischer Veranlagung spielen gestörte Tag-Nacht-Rhythmen, Vorerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion sowie Medikamente, Alkohol oder Drogen eine Rolle bei der Entstehung.

    Warum wirkt sich fehlendes Licht so stark auf die Stimmung aus?

    Licht wird über die Nervenbahn Tractus retinohypothalamicus aufgenommen und dient dem Körper als wichtiger Zeit- und Taktgeber. Fehlt dieser Reiz, gerät die innere Uhr aus dem Rhythmus, was sich auf Schlaf, Stimmung und Antrieb auswirkt. Diesen Mechanismus macht sich auch die Lichttherapie zunutze, deshalb müssen die Augen dabei geöffnet bleiben.

    Fragen und Antworten

    Weitere Informationen zu saisonal abhängigen Depressionen

    Wie kann ich einer saisonalen Depression vorbeugen?

    Viel Bewegung an der frischen Luft und möglichst viel Tageslicht fördern die körpereigene Serotonin-Produktion. Eine Untersuchung zeigt, dass der Depressionswert bei sportlich inaktiven Menschen im Schnitt bei 48 Prozent liegt, bei sportlich aktiven dagegen nur bei 24 Prozent. Auch eine tryptophanreiche Ernährung, etwa mit Fisch, Feigen, Bananen oder Datteln, kann den Serotoninspiegel unterstützen.

    Wirkt sich ein besonders langer, sonniger Sommer auf Betroffene aus?

    Ja. Nach einem langen Sommer zeigen sich viele Patientinnen und Patienten im folgenden Herbst und Winter stabiler, wie Erfahrungen aus der Rhein-Jura-Klinik zeigen. Auch eine Analyse von Google-Suchanfragen zu psychischen Störungen bestätigt: Im Sommer suchen deutlich weniger Menschen danach. Das natürliche Sonnenlicht fördert zudem die körperliche Aktivität, die selbst einen positiven Effekt auf depressive Beschwerden hat.

    Was ist der Unterschied zwischen saisonaler Depression und Winterblues?

    Der Winterblues, von Fachleuten auch subsyndromale SAD genannt, verläuft milder als eine saisonale Depression: Die Stimmung schwankt eher tageweise, wetter- und lichtabhängig, mit besseren Phasen dazwischen. Eine echte saisonale Depression dagegen hält mehrere Symptome über mindestens zwei Wochen nahezu durchgehend an und beeinträchtigt den Alltag spürbar, weshalb dann eine fachliche Abklärung sinnvoll ist.

    Was ist der Unterschied zwischen Frühjahrsmüdigkeit und Frühjahrsdepression?

    Die Frühjahrsmüdigkeit klingt in der Regel nach spätestens zwei Wochen von selbst wieder ab, während eine Frühjahrsdepression eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung ist, die ärztlicher Behandlung bedarf. Eine Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt zudem, dass die Suizidrate im März gegenüber Februar um 20 Prozent steigt und erst im Sommer wieder sinkt, ein Hinweis darauf, wie ernst anhaltende Beschwerden im Frühjahr zu nehmen sind.

    Wie wird eine saisonale Depression diagnostiziert?

    Psychiatrische Fachkräfte oder Ärzte betrachten die vorliegenden Symptome, den jeweiligen Lebensstil und die persönliche Lebensgeschichte der Betroffenen, um Hinweise auf ihren aktuellen Zustand zu sammeln und zu analysieren. Ein wesentlicher Faktor für die Diagnose ist dabei die Dauer der Probleme und der Zeitpunkt ihres Auftretens: In der Regel kommt eine saisonale Depression nur in Betracht, wenn mindestens zwei Jahre lang immer im Herbst oder Winter entsprechende Symptome auftreten.

    Quellen

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    Washington, DC: American Psychiatric Association.

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    DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AKDÄ, BPTK et al (2015). S3-Leitlinie/Nationale Versorgungs-Leitlinie Unipolare Depression - Langfassung. Deutschland: DGPPN BÄK KBV AWMF AdkÄ BPtK BapK DAGSHG DEGAM DGPM DGPs DGRW für die Leitliniengruppe Unipolare Depression.

    Thaler K, Delivuk M, Chapman A, Gaynes BN, Kaminski A, Gartlehner G (2021). Second-
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    Young M, Yap B (2019). Psychological and biological traits in seasonal affective disorder and
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    Lingjaerde O, Foreland AR, Dankertsen J (1998, 2019). Dawn simulation vs. lightbox treatment in winter depression: a comparative study. Acta Psychiatr Scand. 98(1): 73-80.

    S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression Behandlung 2015 (Memento vom 25. September 2016 im Internet Archive; PDF).

    https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/depression.pdf?__blob=publicationFile. Abgerufen am 22.02.2023.

    Mitarbeiterin begrüßt einen Mann am Empfang

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