Fachklinik Rhein-Jura Krankheitsbilder

Tinnitus: Wenn das Klingeln im Ohr unerträglich wird

Fast jeder Mensch kennt lästige Geräusche im Ohr. Meist ist der Auslöser das Konzert oder der Diskobesuch am Abend zuvor. In den meisten Fällen verschwindet das nervige Geräusch nach ein paar Stunden von selbst. Doch bei manchen Menschen bleiben die Symptome bestehen oder kommen immer wieder – und werden chronisch. Wenn das Ohrensausen länger als 48 Stunden anhält, spricht man von Tinnitus. Betroffene können über Wochen, Monate oder Jahre darunter leiden. Sie hören ständig oder wiederkehrend Pfeifen, Sausen, Surren, Rauschen, Zischen, Klingeln, Summen oder Brummen im Ohr. So individuell verschieden wie die wahrgenommenen Geräusche sind auch die Ursachen. Häufig tritt Tinnitus gleichzeitig oder zeitlich versetzt mit einer krankhaften Überempfindlichkeit gegenüber Schall auf (Hyperakusis). 

Dr. med. Uwe H. Ross ist Vorreiter bei dem Thema Ohrgeräusche und Ohrensausen. Seit mehr als 15 Jahren widmet er sich als niedergelassener HNO-Arzt mit Schwerpunkt Psychotherapie dem Tinnitus und anderen funktionellen Gesundheitseinschränkungen im HNO-Bereich. Sein eigens entwickeltes Therapiekonzept bezieht Bereiche wie verdeckte Kompetenzen, Ressourcen und Lösungen bei der Entwicklung des zumeist ungenutzten Gesundheitspotenzials des Betroffenen mit ein. Ross' Kompetenzen und Therapiekonzepte gelten als Maßstab in der Behandlung von Tinnitus-Patienten. Auch die Oberberg Fachklinik Rhein-Jura in Bad Säckingen orientiert sich an seinen Erkenntnissen und weiteren Ergebnissen aus der modernen Wissenschaft, um Tinnitus-Patienten zu helfen

Definition Tinnitus

Der Begriff Tinnitus (von lat. tinnire = klingeln) bezeichnet Ohrgeräusche, die ohne äußere Schallquellen entstehen und im Ohr oder Kopf wahrgenommen werden. 10 Prozent der Deutschen nehmen solche Geräusche permanent war, ohne dass ihre Lebensqualität dadurch beeinflusst wird. Laut der nahezu einzigen repräsentativen deutschen Studie „Tinnitus in der Bundesrepublik Deutschland – Eine repräsentative epidemiologische Studie“ (Pilgramm et al) aus dem Jahr 1999 sind aber 1–2 Prozent der Menschen so stark betroffen, dass ihre Lebensqualität eingeschränkt ist.

Die Ursachen von Tinnitus und Hyperakusis sind individuell und schwer festzulegen; Stress spielt jedoch häufig eine Rolle. Die Wissenschaft ging lange Zeit davon aus, dass der Entstehungsort des Tinnitus im Innenohr liegt. Da Tinnitus-Geräusche meist auch nach einer Durchtrennung des Hörnervs noch auftreten, ist diese Annahme zu den Ursachen von Tinnitus aber zwischenzeitlich widerlegt. Deshalb muss das diagnostische Verfahren breit angelegt sein und die Untersuchungen sollten alle denkbaren Ursachen berücksichtigen.

Tinnitus geht häufig mit Hörverlust einher. Zwar verursacht der Tinnitus selbst keine Schwerhörigkeit, der wahrgenommene Ton kann aber das Hörvermögen beeinträchtigen. Hörgeräte können ein wirksames Mittel von Tinnitus und Hörverlust sein.
Tinnitus kann einen Hörsturz sowohl ankündigen als auch Folge eines Hörsturzes sein.

Formen von Tinnitus

Der seltene objektive (mithörbare) Tinnitus hat seinen Ursprung im Körper des Betroffenen. Er ist von außen wahrnehmbar. Der Arzt kann den Ton zum Beispiel mit einem Stethoskop hören. Objektiver Tinnitus kann unter anderem Gefäßmissbildungen oder Tubenfunktionsstörungen als Ursachen haben.

In 99 Prozent der Fälle und damit sehr häufig kommt der subjektive (nicht-mithörbare) Tinnitus vor. Der Ton ist Ausdruck einer störenden Informationsbildung im Hörsystem. Die Medizin unterscheidet zwischen Innenohrgeräuschen (Tinnitus aureus) und Kopfgeräuschen (Tinnitus cerebri). Meistens beschreiben Patienten die Störungen als ein hochfrequentes Pfeifen, auf das sie Rauschen und tiefes Brummen hören. Der wahrgenommene Ton übertönt selten die Umgebungsgeräusche.

 

Zwischen den nachfolgenden Schweregraden und Merkmalen wird unterschieden:

  • Grad I: Tinnitus ist gut kompensiert. Es besteht kein Leidensdruck.
  • Grad II: Tinnitus fällt hauptsächlich in stiller Umgebung auf und wirkt störend bei Stress.
  • Grad III: Tinnitus beeinträchtigt das Privat- und Berufsleben. Der Betroffene kann unter emotionalen, kognitiven und körperlichen Störungen leiden.
  • Grad IV: Tinnitus führt zur völligen Dekompensation im privaten Bereich und zur Berufsunfähigkeit.

Tabelle: Einteilung der Schweregrade (nach Biesinger, E., et al: Strategien in der ambulanten Behandlung des Tinnitus. HNO 46 (1998) 157-169.)

 

Für die Behandlung ist es wichtig, die Dauer des Tinnitus zu kennen. Man unterscheidet zwischen:

  • akutem Tinnitus: das Geräusch besteht weniger als drei Monate.
  • subakutem Tinnitus: das Geräusch tritt seit mehr als drei Monate bis zu einem Jahr auf. In diesem Fall ist eine Betreuung durch den HNO-Arzt erforderlich. Dem Betroffenen werden Wege gezeigt, besser damit umzugehen. Entspannungsverfahren, die ggf. durch psychotherapeutische Kurzinterventionen ergänzt werden, können sinnvoll sein.
  • chronischem Tinnitus: das Ohrgeräusch existiert länger als ein Jahr.

Die Einteilung in „chronisch“, „akut“ oder „subakut“ betrifft die erforderliche Handlungsweise des Arztes. So bedeutet chronisch nicht unheilbar. Ein chronischer Tinnitus kann außerdem kompensiert (ertragbar) oder dekompensiert (belastend) sein.

Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit)

In Deutschland leiden bis zu einer Million Menschen an der Geräuschempfindlichkeit Hyperakusis. Oft geht das Leiden mit Tinnitus einher. Dabei verstärkt nicht nur die Hyperakusis die Umgebungsgeräusche sondern auch der Tinnitus selbst. Der Fehler liegt oft an einer falschen neurologischen Verarbeitung der Geräusche. Ursache können sowohl organische Erkrankungen als auch Gesundheitsprobleme mit seelischen Facetten sein. Die Störung lässt sich mit einer speziellen Hörtherapie beheben.

Therapie bei Tinnitus

„Viele Betroffene und auch behandelnde Ärzte suchen nach Möglichkeiten und Therapie-Ansätzen, die den konventionellen medizinischen Prinzipien entsprechen und Tinnitus mit Medikamenten oder Operationen heilen“, so Ross. „Doch leider kann man den Tinnitus nicht einfach wegmachen. Jede Anstrengung, das zu erreichen, verstärkt ihn. Deshalb setzen wir zum Beispiel auf eine Konzentration von gesundmachenden Faktoren.“ Die selbst erarbeitete Therapie von Dr. med. Uwe H. Ross, die auch die Oberberg Fachklinik Rhein-Jura in Bad Säckingen bei Tinnitus-Betroffenen anwendet, setzt sich individuell aus speziellen ressourcen-orientierten Elementen zusammen.

„Unsere Therapie zielt auf die emotionale und gedankliche Neubewertung des Tinnitus“, erklärt Ross. Der Tinnitus wird mit dem Betroffenen in einen neuen Informations- und Sinnzusammenhang gestellt. So lernt der Betroffene, das Tinnitus-Erleben und die aufrechterhaltenden Faktoren zu beeinflussen. Das erreicht er durch die Nutzung seiner verdeckten gesundheitlichen Ressourcen und Kompetenzen. Der Tinnitus tritt nachhaltig in den Hintergrund und hinter die Wahrnehmungsgrenze. Gerade bei Patienten, die chronischen Tinnitus haben, sorgt das für ein völlig verändertes Lebensgefühl. Die Tinnitus-Wahrnehmung weicht einem neuen, stimmigen Körper- und Selbstbewusstsein und der Betroffene kann sein Leben wieder nahezu störungsfrei genießen.