Persönlichkeitsstörung

Die Bipolare Störung und warum sie häufig unerkannt bleibt

Das Leben – eine Achterbahnfahrt? Jeder von uns kennt Gefühlsschwankungen, es gibt mal gute und mal schlechte Tage. Für Menschen mit Bipolarer Störung ist das aber der Alltag. Sie fallen von einem Extrem ins andere – und das ohne nachvollziehbare Gründe. Obwohl Ärzten die Erkrankung schon seit über 2000 Jahren bekannt ist, steht die Aufklärung der Öffentlichkeit noch ganz am Anfang.

 

Insgesamt sind in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1,5 bis 5 % der Bevölkerung von Bipolaren Störungen betroffen, das entspricht einer bis vier Millionen Menschen. Mit anderen Worten: mehr Betroffene leiden an Bipolaren Störungen als an Diabetes mellitus.

 

Je nach Ausprägung der Erkrankung gehen manische und depressive Episoden mal direkt ineinander über, mal liegen ganze Jahre symptomfreier Zeit dazwischen. Im Spannungsfeld von Depression und Manie ist ein geregeltes Leben kaum möglich. Nur wenige Betroffene wissen über ihre Krankheit Bescheid, ein zwanzigfach erhöhtes Suizidrisiko im Gegensatz zur Allgemeinbevölkerung ist die Folge. Dabei kann ein rechtzeitiger Therapiebeginn den Krankheitsverlauf wesentlich verbessern.

Diese Symptome kennzeichnen die Bipolare Störung

Die Ursachen der Bipolaren Störung sind bis heute nicht in allen Einzelheiten geklärt. Die Wissenschaft geht davon aus, dass mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt sind: die erbliche Veranlagung spielt genauso eine Rolle wie biologische oder psychosoziale Faktoren.

 

Die Bipolare Störung oder auch Manisch-Depressive Störung ist eine affektive Erkrankung, die durch wiederholte (d. h. wenigstens zwei) Episoden charakterisiert ist, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betreffenden deutlich gestört sind. Phasen der Manie werden abgewechselt von Zeiten der Depression.

Manie

Ist die Stimmung während mindestens einer Woche ungewöhnlich gehoben oder auch gereizt, liegen mindestens drei der folgenden Merkmale vor und besteht eine schwere Beeinträchtigung der Lebensführung, spricht man von einer Manie.

 

Typische Symptome der Manie:

  • unbegründet gehobene Stimmung
  • rastlose Aktivität
  • Unruhe
  • Rededrang
  • Verlust sozialer Hemmungen
  • unkontrollierter Umgang mit Geld
  • Alkohol- und Drogenkonsum
  • niedriges Schlafbedürfnis
  • gesteigerte Libido

Hypomanie

Liegen mindestens drei dieser Merkmale vor, ist die Stimmung an mindestens vier aufeinander folgenden Tagen gehoben oder gereizt, doch die Lebensführung wird nicht beeinträchtigt, spricht man von einer hypomanen Episode. Diese erfüllt nicht die Kriterien einer Manie und kann ferner als deren abgeschwächte Form bezeichnet werden.

Depression

Auf die Phasen der Manie kann die Depression entweder direkt als depressive „Nachwirkung“ folgen oder auch später als einzelne Episode auftreten. Liegen über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen mehrere der folgenden Symptome vor, spricht man von einer Depression.

 

Typische Symptome der Depression:

  • Schwermut
  • Freud- und Mutlosigkeit
  • Interessenverlust
  • gesteigerte Ermüdbarkeit
  • Grübeln
  • Verlust des Selbstvertrauens
  • Ängste
  • Pessimismus
  • Schuldgefühle
  • vermindertes Konzentrationsvermögen

Therapie der Erkrankung

Es gibt noch kein Heilmittel für die Bipolare Störung, aber mit einer effizienten Therapie können Betroffene die Krankheit in den Griff bekommen. Die Therapie in der Rhein-Jura Klinik setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen: Medikamente, Psychotherapie und Psychoedukation. Wir legen mit unseren Patienten gemeinsam eine individuelle Behandlungsstrategie fest.

 

Meistens behandeln wir die Erkrankung mit drei aufeinander aufbauenden Therapieverfahren. Befindet sich der Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose in einer akuten Phase, kommt die Akutbehandlung zum Einsatz. Hierbei versuchen wir, den Betroffenen aus seiner derzeitigen Phase herauszuholen und den Leidensdruck zu nehmen. Nach Normalisierung der Stimmungslage folgt die Erhaltungstherapie, in welcher der Betroffene stabilisiert werden soll. Durch eine Rückfallvorbeugung kann das Rückfallrisiko gesenkt werden. Dabei helfen wir dem Betroffenen auch dabei, sich wieder ins soziale Umfeld und in den Beruf einzugliedern. In den meisten Fällen unterstützen Medikamente die Therapie. Daneben verordnen wir in der Regel zusätzlich Gesprächs- und Gruppentherapien.

 

Wenn Sie vermuten, dass bei Ihnen oder einem Angehörigen eine Bipolare Störung vorliegt, sollten Sie in jedem Fall Ihren Hausarzt darauf ansprechen. Er kann Sie untersuchen und gegebenenfalls an einen Spezialisten überweisen.

 

Sie können sich aber auch direkt über unser Akut-Telefon anmelden: +49 7761 5600 0. Dr. med. Rolf Peters ist unser Aufnahmearzt. Scheuen Sie sich nicht, dabei offen alles anzusprechen, was Ihnen außergewöhnlich vorkommt. Wir haben dafür Verständnis und nehmen uns Zeit für Sie.

 

Zu dem Thema "Persönlichkeitsstörungen" finden Sie hier einen Online Vortrag von Dr. Sonja Wahl.