Symposium der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg

"Der schwierige Patient"

Rückschau zum Symposium

Am 15. Juli 2015 veranstaltete die Oberbergklinik Berlin/Brandenburg ein großes Symposium im nhow Hotel Berlin, Friedrichshain. Knapp 300 niedergelassene Psychiater/innen und Psychotherapeut/innen sind der Einladung gefolgt. Sie erlebten eine sehr interessante Veranstaltung, die von Dr. med. Bastian Willenborg, dem neuen Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg, eingeleitet wurde. Er führte aus, dass die Behandlung von komplexen psychischen Erkrankungen eine der Herausforderungen der stationären psychiatrischen, psychotherapeutischen Behandlung darstellt. Das diese „schwierigen Patienten“ eher die Regel als die Ausnahme sind, wurde von Dr. Willenborg anhand aktueller epidemiologischer Daten aufgezeigt.

Herr Prof. Dr. med. Martin Bohus, wissenschaftlicher Direktor für psychosomatische und psychiatrische Psychotherapie am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim referierte über neue Behandlungskonzepte für komplexe Posttraumatische Belastungsströungen (PTBS) nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit. Er stellte vor allem die Wichtigkeit des professionellen Vorgehens und der Traumaexposition heraus, wobei er Daten präsentierte die eine erfolgreiche Traumakonfrontation auch ohne langwierige Stabilisierungsmaßnahmen aufzeigten. Die Datenlage schien die Vermutung zuzulassen, dass die Vermittlung eines Expertenstatus wichtiger sei als die Qualität der therapeutischen Beziehung.

Frau Priv.-Doz. Dr. Gitta Jacob, leitende Psychologin bei der GAIA AG in Hamburg, berichtete über die Möglichkeiten zur Überwindung therapeutischer Blockaden mit schematherapeutischen Interventionen und die Vorteile der Schematherapie, komplexe Störungen unter zu Hilfenahme des schematherapeutischen Störungsmodells zu konzeptualisieren.

Frau Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier der Universität Marburg stellte anhand lebhafter Fallbeispiele psychotherapeutische Behandlungsoptionen für Betroffene mit einer chronischen Depression und komorbider Persönlichkeitsstörung vor. Hier scheint das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) eine effektive Behandlungsoption für diese schwierige Klientel zu sein.

Das empirisch fundierte Behandlungsmethoden bei der Behandlung von Betroffenen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung noch weiter erforscht werden sollten, wurde von Herrn Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Röpke, Oberarzt an der Charité Berlin, erläutert. Des Weiteren ging er auf die klinischen Schwierigkeiten mit dieser Klientel im Rahmen des Vortrages ein.

Den Abschluss des wissenschaftlichen Programmes gestaltete Herr Priv.-Doz. Dr. med. Mazda Adli, Chefarzt der Fliedner Tagesklinik Berlin und Leiter des Forschungsbereiches affektiver Störungen an der Charité Berlin. Er berichtete umfassend über psychopharmakologische Behandlungsoptionen bei depressiven Störungen, wobei er auch immer wieder auf die aktuellen Empfehlungen der S3 Leitlinie Bezug nahm.

Im Anschluss an das wissenschaftliche Programm wurde beim Get Together angeregt bis in den späten Abend diskutiert. Die Oberbergkliniken implementieren bereits seit Jahren aktuelle und wissenschaftlich evaluierte Behandlungsoptionen in ihr patientenzentriertes Behandlungskonzept. Einige dieser Neuerungen wurden im Rahmen des Symposiums vorgestellt und von Dr. Willenborg bereits in der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg umgesetzt.

Tagesprogramm und Referenten

„Neue Behandlungskonzepte für komplexe PTSD nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit“
Prof. Dr. med. Martin Bohus
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim

„Überwindung von therapeutischen Blockaden mit schematherapeutischen Interventionen“
Priv.-Doz. Dr. Gitta Jacob
GAIA AG, Hamburg

„Wie können chronisch depressive Patienten mit komorbiden Persönlichkeitsstörungen behandelt werden? Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP)“
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier
Philipps-Universität, Marburg

„Empirisch fundierte Behandlungsoptionen für Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung“
Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Röpke
Charité-Universitätsmedizin, Berlin

„Die schwer behandelbare Depression - Strategien zur Optimierung antidepressiver Pharmakotherapien“
Priv.-Doz. Dr. med. Mazda Adli
Fliedner Klinik, Berlin

Lesen Sie hier die Abstracts der Vorträge.