Panik: Wenn einem die Angst im Nacken sitzt

Anna fährt mit der U-Bahn. Es ist Sommer, es ist heiß, die Bahn ist überfüllt. Plötzlich ruckelt es – Stillstand, mitten im Tunnel. Probleme mit einem Triebwerk, sagt der Bahnführer, die Weiterfahrt werde sich um unbestimmte Zeit verzögern. Die Minuten werden lang, die Luft stickiger, Anna schwitzt und wird unruhig. Sie will raus aus der Bahn. Sofort! Aber das geht natürlich nicht. Und plötzlich kippt die Situation. Sie weint, ihr Herz rast und sie hat das Gefühl zu ersticken und nicht mehr sie selbst zu sein.

So ähnlich wie Anna geht es vielen Menschen. In Europa leiden ca. 14% aller 14- bis 65-Jährigen an Angsterkrankungen, zu denen auch Panikstörungen gezählt werden. Doch was genau ist eine Panikstörung? Was sind die Ursachen und Auslöser, und wie können Betroffene ihre Angst wieder in den Griff bekommen?

Was ist eine Panikstörung?

Wenn uns die Angst aus heiterem Himmel regelrecht übermannt, spricht man von einer Panikattacke. Per se ist Angst nichts Schlechtes. Sie ist ein urmenschliches Gefühl, gewissermaßen einprogrammiert in unsere DNA, um uns in gefahrvollen Situationen zur Vorsicht zu mahnen. Im Zustand der Angst sind unsere Sinne geschärft, wir sind hochkonzentriert. Auch unsere Körperfunktionen reagieren: Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt schneller. Dadurch sind wir in der Lage, unmittelbar und leistungsstark auf Gefahren zu reagieren – unsere Vorfahren etwa konnten fliehen oder sich einem Angriff stellen. Ist die Gefahr vorüber, entspannen wir uns – das Stresslevel sinkt. Bei einer Panikattacke ist dieser Zustand aus der Balance geraten. Das auslösende Moment kann banal sein, während andere Panikattacken Betroffene völlig unvorhergesehen und sehr plötzlich ereilen. Gemein ist ihnen eine kurze Episode intensiver Angst, die eine natürliche Angstreaktion bei Weitem übersteigt. Treten solche Angstanfälle mehrmals im Monat auf, spricht man von einer Panikstörung. Sie ist als ernst zu nehmende Erkrankung einzustufen. Die Ursachen einer Panikstörung sind nicht vollends geklärt. Die genetische Disposition ist ein Grund, aber auch Stress, traumatische Erfahrungen und bestimmte Substanzen wie Alkohol und andere Drogen begünstigen den Ausbruch einer Panikattacke.

Die Angst vor der Angst

Panikattacken gehen für gewöhnlich Hand in Hand mit körperlichen und psychischen Symptomen, die in den Betroffenen das Gefühl auslösen, die Situation nicht zu überleben respektive ernsthaft erkrankt zu sein. Dazu zählen insbesondere Hyperventilation, Herzklopfen und Herzrasen, Zittern in Beinen und/oder Händen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Zu den psychischen Symptomen gehören u. a. Schwindel, Derealisation und vor allem das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden sowie die Angst zu sterben. All diese Symptome bauen sich analog zur Reduktion des Adrenalin-Spiegels nach ca. 15–20 Minuten wieder ab.

Typisch für Betroffene einer Angstattacke ist in der Folge eine Vermeidungshaltung. Aus Angst vor der Angst werden spezifische Situationen, die zur Auslösung einer Panikattacke führen könnten, vermieden. Von einer Agoraphobie mit Panikstörung zum Beispiel spricht man dann, wenn Betroffene bestimmte Orte (z. B. Aufzüge, Flugzeuge, geschlossene Räume etc.) oder Menschenansammlungen aus Angst davor meiden, die Situation nicht willentlich verlassen zu können. Die Angst vor Kontrollverlust ist hierbei bestimmendes Moment und führt in der Konsequenz zu einer Teufelsspirale, in deren Verlauf sich diese Personen zunehmend aus dem sozialen Leben zurückziehen. Vereinsamung und Suizidalität können dann eine Folge sein. Um erst gar nicht der Angst vor der Angst zu erliegen, ist es evident, sich frühzeitig um Hilfe zu bemühen.

Erste Hilfe bei einer Panikstörung

Viele Beschwerden, die mit einer Panikattacke einhergehen, können auch auf eine tatsächlich körperliche Ursache hindeuten – beispielsweise einen Herzinfarkt. Um eine Panikstörung gesichert zu diagnostizieren, gilt es daher, physische Auslöser auszuschließen. Der erste Schritt zur Hilfe ist daher in der Regel der Gang zum Hausarzt. Da die Zahl der Betroffenen relativ hoch ist, sehen sich Allgemeinmediziner verstärkt mit der Behandlung einer Panikstörung konfrontiert. Nach wie vor mangelt es jedoch an notwendiger Aufklärung über das Krankheitsbild, sodass es noch immer zu Falschdiagnosen kommen kann. Somit werden Panikstörungen teilweise falsch oder ausschließlich medikamentös therapiert. Insbesondere die Gabe von Benzodiazepinen (Beruhigungsmittel) sollte unbedingt vermieden bzw. nur kurzfristig eingesetzt werden, da diese mittel- bis langfristig nicht helfen und zu einer Abhängigkeit führen können. Die medikamentöse Therapie mit Antidepressive ist begleitend vor allem bei chronischen und ausgeprägten Angsterkrankungen nützlich, allerdings wirken gegen Angststörungen nachhaltig die  (kognitive) Verhaltenstherapie mit den Kernelement der Expositionsverfahren. Daher ist es ratsam, sich nach dem Ausschluss von körperlichen Ursachen, professionelle Hilfe bei speziell hierfür ausgebildeten Ärzten und Therapeuten - Psychiatern und Psychologischen Psychotherapeuten - zu suchen. Sollte eine ambulante Therapie nicht ausreichen, kann diese auch durch eine stationäre Behandlung, wie sie die Oberbergkliniken anbieten, ergänzt werden.

Redaktionsteam Oberberg