Behandlung von Persönlichkeitsstörungen

Die Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen gehört sicherlich zu den herausforderndsten Aufgaben, denen wir uns in der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik stellen. Häufig beginnt die Problematik schon mit der Diagnosestellung oder eben mit dem Ausbleiben dieser. In der klinischen Praxis erleben wir es regelhaft, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sehr vorsichtig gestellt wird. Dies liegt sicherlich auch an den unterschiedlichen Konzepten dieser Erkrankungen, was sich auch in den kontroversen Diskussionen der Fachwelt im Hinblick auf die Entwicklung des DSM V gezeigt hat. Die Idee, die Diagnostik von einer kategorialen Weise in eine dimensionale zu überführen, ist gescheitert und wurde im DSM V letztendlich als eigenes Kapitel („Emerging Models“) aufgenommen. Auch die anhaltende Auffassung, dass Persönlichkeitsstörungen nicht zu „heilen“ sind, ist noch weit verbreitet. Wobei hier bereits der Terminus „Heilung“ äußerst kontrovers diskutiert wird, da es um Ausprägungsgrade von Persönlichkeitsmerkmalen geht und nicht um eine Veränderung der Persönlichkeit.

Wenn man sich die psychotherapeutischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte anschaut, kann man aus meiner Sicht eine optimistische Haltung in Bezug auf die Prognose bei psychotherapeutischem Vorgehen vertreten. Dies gilt sicherlich nicht für „alle Persönlichkeitsstörungen“ gleichermaßen. Gerade die für die Behandlung von Patienten mit schizoiden oder auch antisozialen Persönlichkeitsstörungen fehlen Wirksamkeitsnachweise. Auf der anderen Seite gibt es Entwicklungen für die Behandlung von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen oder auch mit selbstunsicherer und ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung, die mehr als optimistisch sind. Behandlungsansätze wie die mentalisierungsbasierte Psychotherapie, die dialektisch-behaviorale Psychotherapie, die übertragungsfokussierte Psychotherapie oder auch die Schematherapie ermöglichen Behandlungen, die es uns ermöglichen, hier von „behandelbaren Erkrankungen“ und nicht mehr von Lebenszeitdiagnosen zu sprechen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht wichtig, mit den zur Verfügung stehenden diagnostischen Mitteln eine Persönlichkeitsstörung zu benennen und eine wirksame Behandlung zu implementieren.

Wenn wir uns vor Augen halten, dass Persönlichkeitsstörungen mit einer Gesamtprävalenz von 10-13%, und einer erheblich höheren bei Patienten mit einer anderen psychischen Erkrankung, eher die Regel als die Ausnahme in unserer täglichen Arbeit darstellen, haben wir gerade in den letzten Jahren gute Werkzeuge an die Hand bekommen, um dieser Schwierigkeit angemessen zu begegnen. Zudem macht die Arbeit mit dieser Patientengruppe Freude und bietet ausreichend Herausforderungen im psychotherapeutischen Alltag.

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Dr. med. Bastian Willenborg