Den Wunsch, nicht allein zu sein, kennt jeder. Dieser tritt beispielsweise gemeinsam mit einem Bedürfnis nach interpersonellem Austausch auf, nach dem Ende einer Beziehung oder dem Tod eines Angehörigen. Einige Menschen leiden jedoch unter einer dauerhaften und pathologischen Angst davor allein zu sein – genannt „Autophobie“. Bei einer Autophobie geht die Befürchtung, Zeit allein zu verbringen, generell im Leben allein zu sein oder verlassen zu werden mit einem großen Gefühl von Leid einher. Betroffene können körperliche Symptome entwickeln oder sogar Panikattacken erleiden.

Symptome Symptomatik der Autophobie

Betroffene einer Autophobie haben das ständige Bedürfnis, unter Menschen zu sein. Sie möchten dauerhaft beschäftigt sein und vermeiden es, Zeit allein zu verbringen. Dementsprechend äußert sich eine Autophobie durch ständige Geschäftigkeit und eine hohe Anzahl an sozialen Kontakten, um einem Gefühl der Isolation zu entgehen. Häufig besteht auch die Furcht vor Ablehnung oder davor von anderen ignoriert oder ausgeschlossen zu werden.

 

Neben der Angst, Zeit allein zu verbringen, zeigt sich bei Menschen mit Autophobie zusätzlich häufig eine Verlustangst als Symptom. Betroffene erleben dabei die Angst davor, dass sie nahestehende Menschen, zumeist den Partner, verlieren. Eine derartige Verlustangst führt häufig dazu, dass der Partner mit Liebesbekundungen überhäuft wird oder andere Strategien angewandt werden, um sicherzustellen, dass der Partner bei dem Betroffenen bleibt. Die Angst vor dem Alleinsein kann auch dazu führen, dass Betroffene in Partnerschaften bleiben, die für sie eigentlich unbefriedigend sind.

 

Bei einer Autophobie kann es zu körperlichen Symptomen kommen, die auch bei Angststörungen auftreten. Dazu gehören starkes Schwitzen, beschleunigter Herzschlag, schnelle Atmung, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, ein trockener Mund und Schwindel. In schwereren Fällen können bei Menschen mit einer Autophobie Panikattacken  auftreten. Dabei wird eine extreme Furcht empfunden, die häufig von weiteren emotionalen und körperlichen Symptomen begleitet wird.

Ursachen Ursachen der Autophobie

Die Ursache für eine krankhafte Angst vor dem Alleinsein liegt häufig in der Kindheit. Es wird angenommen, dass frühe Erfahrungen von tatsächlichen oder drohenden Verlusten und  Trennungen in der Kindheit zu einer Autophobie führen können.

 

Betroffene befürchten eine Wiederholung dieser traumatischen Erlebnisse und wollen dies um jeden Preis vermeiden. Die Angst vor den Gefühlen, die mit Verlust einhergehen, wird bei einer Autophobie zu einem ungesunden Maß gesteigert und führt zu einer Lebensgestaltung, bei der Trennungen und Alleinsein bestmöglich vermieden werden. Deshalb bauen Menschen, die an einer Autophobie leiden, sehr bewusst Beziehungen auf und pflegen diese intensiv, indem sie zum Beispiel viele Verabredungen planen und Zeit mit ihren sozialen Kontakten verbringen.

Diagnostik Diagnostik einer Autophobie

Eine Autophobie kann, laut dem internationalen Krankheitsklassifikationssystem ICD-10, als spezifische Phobie diagnostiziert werden.

Eine spezifische Phobie ist dann gegeben, wenn eine Furcht vor einem spezifischen Objekt oder einer spezifischen Situation vorliegt. Das Alleinsein gilt in diesem Fall als spezifische Situation.

Mehr Informationen über Phobien im Allgemeinen finden Sie hier.

Verwandt mit der Autophobie ist die Dependente Persönlichkeitsstörung. Menschen, die unter einer Dependenten Persönlichkeitsstörung leiden, machen sich häufig vollkommen abhängig von anderen Personen. Sie vermeiden es, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Die Dependente Persönlichkeitsstörung kennzeichnet unter anderem ebenfalls eine große Angst vor dem Alleinsein und Verlassenwerden. Jedoch bedeutet dies im Umkehrschluss nicht, dass Menschen mit Autophobie an einer Dependenten Persönlichkeitsstörung leiden.

Behandlung Therapie einer Autophobie

Eine spezifische Therapieempfehlung für eine Autophobie gibt es nicht. Die Alltagseinschränkungen, die durch eine Autophobie entstehen, können jedoch gut mittels einer Verhaltenstherapie angegangen werden. Bindungserfahrungen und Ängste vor dem Verlassenwerden können durch Tiefenpsychologische Therapieformen  behandelt werden.

 

In der Verhaltenstherapie werden Glaubenssätze und Verhaltensstrategien von Betroffenen zusammen mit einem Therapeuten herausgearbeitet und modifiziert. Verhalten, das zu Leiden bei anderen oder bei den Betroffenen selbst führt, kann so analysiert werden und durch Übung langfristig verändert werden. Indem neue Lösungswege für kritische Situationen im Alltag, die zu Konflikten und Leid führen, entwickelt werden, können Betroffene einen gesunden Umgang mit ihrer Angst vor dem Alleinsein entwickeln und das Leben und den Alltag nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten, ohne sich von der Angst beherrschen zu lassen.

In einer Tiefenpsychologischen Therapie  werden unbewusste Prozesse der Psyche berücksichtigt, um Erleben und Verhalten von Betroffenen zu verstehen und zu verändern. Dabei geht es viel um frühe und aktuelle Bindungserfahrungen. Häufig kann heutiges Bindungsverhalten – zum Beispiel in Partnerschaften – mit frühen Erfahrungen mit Bezugspersonen in Verbindung gebracht werden. Durch das konstruktive Aufarbeiten früher Bindungserfahrungen und anderer persönlicher Themen, können neue Impulse für den heutigen Umgang im zwischenmenschlichen Bereich gewonnen werden. Über welche Themen in der Therapie geredet wird, hängt stark von dem Patienten und seinen Erfahrungen ab. Häufig führt das Verstehen von bestimmten Verhaltensweisen schon zu einer Änderung. Durch das Einüben und Reflektieren von neuen Erfahrungen kann das Leiden, das durch eine Angst verlassen zu werden oder allein zu sein entsteht, reduziert werden. Dies hilft, die Angst vor dem Alleinsein langfristig zu überwinden.

 

Im Rahmen einer Therapie bzw. Behandlung von Phobien und Angststörungen kann eine zeitlich begrenzten Einnahme von Medikamenten möglich sein.

Häufig gestellte Fragen Häufig gestellte Fragen zur Autophobie

Eine Autophobie kann als spezifische Angst klassifiziert werden. Bei Angststörungen spricht man häufig von Erkrankungen, bei der Angst ein Hauptsymptom ist, die nicht auf eine bestimmte Situation oder ein bestimmtes Objekt gerichtet ist. Auch Panikattacken oder wiederkehrende Panik werden den Angststörungen zugeschrieben. Es ist möglich, dass eine Autophobie mit Panikattacken, Panik oder anderen Angststörungen einhergeht. Als Angst mit spezifischen Objekt, gilt sie jedoch nicht als typische Angststörung.

Das Gefühl von Einsamkeit ist unabhängig von tatsächlich bestehenden Kontakten. Es entsteht aus einem individuellen Bedürfnis nach sozialer und emotionaler Bindung, dass durch das reine Vorhandensein von sozialen Kontakten oder die Anwesenheit von anderen Menschen nicht unbedingt gestillt wird. Bei einer psychischen Störung wie der Depression können sich Betroffene trotz vieler Freunde einsam fühlen. Ein solches Gefühl von Einsamkeit zu erfahren, ist keine Seltenheit, wird aber als besonders schlimm empfunden.

Alleinsein kann auch als angenehm oder sogar befreiend erfahren werden. Menschen, die viel Zeit allein verbringen, können sich ihre Zeit frei einteilen und dafür aufwenden, was ihnen Spaß macht. Unabhängig von anderen Menschen zu sein, ermöglicht ein Gefühl von Kontrolle über den eigenen Alltag. Für die meisten Menschen bedarf es aber einer Gewissheit von Verbundenheit mit anderen, um sich allein wohlzufühlen. Wenn man enge und gute Beziehungen führt, kann Zeit allein besonders gut genossen werden. Um ein unangenehmes Gefühl, das mit dem Alleinsein verbunden wird, zu überwinden, kann es helfen, Alleinsein „zu üben“ und sich dem Fortbestehen der Bindung zu anderen Menschen zu erinnern, auch wenn man keine gemeinsame Zeit verbringt. So kann man schrittweise lernen, Alleinsein als angenehm zu empfinden.

Wenn ein Partner an Autophobie leidet, kann das zu einer großen Belastung werden. Die Angst, verlassen zu werden, kann zu Eifersucht und einem starken klammernden Verhalten führen. Versuchen Sie, Ihrem Partner zu versichern, dass Sie ihn lieben und sich mit ihm verbunden fühlen, auch wenn Sie Zeit getrennt oder mit anderen Menschen verbringen. Ermutigen Sie Ihren Partner gegebenenfalls, sich professionelle Hilfe wie einen Therapeuten zu suchen. Nehmen Sie die Angst Ihres Partners ernst und nehmen Sie unterstützend an einem eventuellen therapeutischen Prozess teil.

Monophobie, Isolophobie, Eremophobie und Eremiophobie sind lediglich alternative Bezeichnungen zu der Begrifflichkeit der Autophobie. All diese Phobien bezeichnen die krankhafte, übertriebene Angst vor dem Alleinsein.

Therapie in den Oberberg Kliniken Behandlung einer Autophobie bei Oberberg

Wir behandeln Patienten nicht nur, wir behandeln sie wie unsere Gäste. In den Oberberg Kliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unterstützen wir Menschen in schweren seelischen Krisensituationen mit effizienten Behandlungskonzepten. Dabei glauben wir fest an das Zusammenwirken von Menschlichkeit, Verbundenheit und Evidenz in einer erstklassigen Umgebung, die von einer herzlichen Atmosphäre aus Achtsamkeit, Zugewandtheit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.

Kontaktaufnahme Sie können sich jederzeit an uns wenden – vertrauensvoll und diskret

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DIMDI - ICD-10-GM Version 2013. (7. Januar 2020). dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2013/block-f40-f48.htm

 

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