Entspannungsverfahren

Stressabbau in der Natur

Unser aller Feind lauert im alltäglichen Strudel der Begebenheiten. Aus vielerlei Gründen kann er auf uns aufmerksam werden. Wir hetzen und eilen, versuchen allem gerecht zu werden. Der Blick auf die Uhr ist uns mehr als bekannt. Und schon guckt es um die Ecke – dieses kleine, sechs Buchstaben große „Monster “, das bei vielen von uns für einen erhöhten Blutdruck, Kopfschmerzen oder – in schlimmeren Fällen – auch für Tinnitus und andere schwerwiegende Folgeerscheinen verantwortlich ist. Wer nicht dafür sorgt, dass es schleunigst das Weite sucht, riskiert, dass es sich für lange Zeit an den Fuß klammert und langsam, aber allmählich von einem Besitz ergreift. Zum Glück gibt es aber wirksame Methoden, dieses kleine „Monster-“ namens Stress gar nicht erst so tiefgreifend an unserem Leben teilhaben zu lassen. Die Natur beispielsweise ist ein wunderbarer Angstgegner.

Zur Ruhe kommen

Mehr als 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland fühlen sich gestresst, fast ein Viertel davon gibt sogar an, dass dies „häufig“ der Fall ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Thema Stress der Krankenkasse TK aus dem Jahr 2016. Die Gründe sind so vielfältig wie die Symptome. Sorgen und Nöte am Arbeitsplatz, Vereinbarkeit von Familie und Arbeit, Freizeitgestaltung, eigene Ansprüche, Pflege von Angehörigen und Finanzsorgen – diese und weitere Faktoren belasten die Deutschen nachhaltig. Ebenso vielfältig sind die Maßnahmen, die dem Stress entgegengesetzt werden können. Denn eines ist klar: Damit Stress nicht krank macht, braucht er ein Gegengewicht – die Anspannung benötigt eine Form der Entspannung. Nach Hobbys, Faulenzen, Familie/Freunde rangiert auf Platz 4 der beliebtesten Entspannungstechniken der Studie Spazierengehen und/oder Gartenarbeit – und wird damit noch vor Fernsehen, Musik hören oder ein Buch lesen als entspannend empfunden. Und das hat einen guten Grund. Es gibt nur wenige Dinge, die so beruhigend auf den menschlichen Körper einwirken wie „das Grün“ der Natur.

Übung: Natur beruhigt

Schließen wir die Augen: Vor uns der große, erhabene Wald. Es ist kein Wald aus dem Märchenbuch, der finster und dunkel daherkommt und Angst einflößend sein kann. Unser Wald ist licht und hell. Vielleicht ist es Herbst und um uns herum sind die wunderbarsten Farbschattierungen der Bäume zu sehen. Vielleicht ist es ein Sommertag und vor uns liegt eine wunderbare Lichtung im leuchtend hellen Grün. Vielleicht laufen wir ein kurzes Stück ganz ohne Schuhe und Socken, über sanft federndes taufrisches Moos. Vielleicht lehnen wir uns an einen Baum und fühlen uns urplötzlich geerdet, im Schutze der mächtigen tiefverwurzelten Naturschönheit, die allem Tosen um sie herum zu trotzen vermag. In unserer Nase der Duft von Tannengrün oder frisch gefallenem Laub, diese typischen Gerüche, die wir mit Jahreszeiten verbinden. Um uns herum nur die zarten Klänge der Natur, Vogelgezwitscher, das Rauschen des Waldes, irgendwo das Plätschern eines Baches. Und während wir so am Baum lehnen, schiebt sich sanft ein Sonnenstrahl durch das Geäst und spendet uns angenehm wohlige Wärme ...

 

Allein die Vorstellung an einen Tag in der Natur wirkt sich beruhigend auf uns Menschen aus. Umso mehr verstärkt sich dieser Effekt, wenn wir in der Natur selbst sind. Der Wald verheißt uns Ruhe und Frieden, er steht für Sehnsucht und Kontemplation. Er vertreibt Anspannungen und Erschöpfung und lindert Stress. Wir fühlen uns nicht nur ruhiger, unser Körper fährt tatsächlich einen Gang runter: Der Blutdruck sinkt, das Herz schlägt langsamer, die Muskeln entspannen sich. Die Farbe Grün wirkt sich beruhigend und harmonisierend auf unseren Organismus aus. Dass die Natur nicht nur unsere Seele stärkt, sondern auch unsere Gesundheit, konnten zahlreiche Studien und Experimente belegen. Etwa die des Gesundheitswissenschaftlers Roger Ulrich (1984), in der er darlegen konnte, dass der Anblick eines Baumes sich positiv auf die Heilung nach einer Operation auswirkt. Die Patienten benötigten weniger Schmerzmittel und die Wunden verheilten schneller, sodass sie eher nach Hause entlassen werden konnten als Vergleichsprobanden, die aus ihrem Krankenzimmer nicht auf einen Baum schauten.

Spazierengehen, Gartenarbeit und Qigong

Neben Spazierengehen im Wald oder in freier Natur lindert auch die Arbeit im eigenen Garten Stresssymptome und zeigt entspannende Wirkung. Langsame, sich wiederholende Tätigkeiten in der Natur lassen den Körper zur Ruhe kommen. Die Arbeit mit den Händen, der Kontakt mit Erde und Pflanzen, baut Stresshormone ab und stimuliert die Konzentrationsfähigkeit. Gartenarbeit stärkt das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem und kurbelt die Produktion von sogenannten Glückshormonen an. Allerdings gilt das natürlich nur, wenn Gartenarbeit nicht ein weiterer Stressauslöser ist. Wenn wir das Gefühl haben, Gartenarbeit verrichten zu müssen, obwohl wir lieber etwas anderes täten, ist dieser schöne Effekt dahin. Stellt sich die Frage, welche Optionen sich in diesem Zusammenhang im Herbst und Winter bieten? Zum einen gibt es für viele Gartenbesitzer auch in den kälteren Jahreszeiten genug zu tun. Zum anderen sind Gartenarbeit und Spazierengehen nicht die einzigen Möglichkeiten in der Natur zur Ruhe zu kommen. Unabhängig von der Jahreszeit leisten auch Meditations- und Entspannungsübungen, die in der Natur ausgeübt werden, einen großen Beitrag zur Stressreduktion. Ein Beispiel dafür wäre Qigong, eine moderne chinesische Meditations- und Bewegungslehre, die sich auf vielfältige Weise mit Qi (Lebensenergie) auseinandersetzt. Grundgedanke ist das freie Fließen von Qi. Nur wenn das gewährleistet ist, kann der Mensch unbelastet, optimistisch und voller Tatendrang sein. Mittels einfacher Bewegungen, Vorstellungs- und Atemübungen versucht man, die Lebensbahnen für Qi zu ebnen. Das Praktizieren dieser Übungen in der Natur ist ein wichtiger Bestandteil der Lehre.

Notbremse bei Extremstress

Manchmal ist der Stress so groß und schon so sehr im Leben verankert, dass er buchstäblich krankmacht. Die Natur vermag zwar Stresssymptome zu lindern und abzubauen – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn Sie in Sorge über Ihren Gesundheitszustand sind, ist der erste Schritt ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt. Er wird Ihnen Möglichkeiten der Behandlung erörtern und gemeinsam mit Ihnen eine Lösung finden. Auch unsere Ansprechpartner stehen Ihnen gerne zur Seite.