Curriculum für abhängige Ärzte

In Kooperation mit Ärztekammern entwickelte Prof. Dr. med. Matthias Gottschaldt ein Curriculum für abhängige Ärzte, das auf den Erhalt des Arbeitsplatzes, eine berufliche Wieder­eingliederung bzw. den Erhalt der Approbation oder Zulassung abzielt. Das Curriculum sieht dabei regelmäßige Nachuntersuchungen zum Abstinenznachweis nach einer stationären Therapie vor.

Auf Wunsch kann das Curriculum des Patienten mit den aufsichtführenden Stellen (z.B. Ärztekammern, Kassen­ärztlichen Vereinigungen, Regie­r­­ungspräsidien, Amtsärzten, Vorgesetzten, Behörden) bindend vereinbart werden.

Das Konzept von Professor Gottschaldt, der als Betroffener in den 80er Jahren selbst mit der beruflichen und sozialen Dimension seiner eigenen Abhängigkeitserkrankung konfrontiert wurde, hat sich auch bei anderen Berufsgruppen (z. B. Lehrern, Apothekern, Juristen, Beamten) bewährt.

Folgende Voraussetzungen müssen gegeben sein:

  • Eine erfolgreiche mit günstiger Prognose abgeschlossene stationäre Entwöhnungstherapie (in der Regel in den Oberbergkliniken).
  • Umsetzung der für eine gute Prognose erforderlichen poststationären ambulanten Therapiemaßnahmen. Das Programm ersetzt keine ambulante Therapie („Nachsorge“) in Wohnortnähe.

Zur Durchführung

Der Patient stellt sich nach erfolgreich abgeschlossener stationärer Therapie zunächst monatlich in einer Oberbergklinik ambulant vor. Je nach Verlauf kann im Einzelfall nach einigen Monaten auch ein sechswöchiger Abstand zwischen den Untersuchungen vereinbart werden. Diese Untersuchungen beinhalten die psychiatrische Untersuchung, das psychiatrische Gespräch, eine einschlägige Labor­untersuchung sowie gegebenenfalls die körperliche Unter­suchung. Es wird insbesondere geprüft, ob der Patient abstinent geblieben ist, ob er die ambulante Nachbehandlung konsequent verfolgt und Selbsthilfegruppen besucht hat.

Im psychiatrischen Gespräch erfolgt die Exploration und Klärung, ob gravierende suchtspezifische Kognitionen und Verhaltens­muster oder pathologische Rückfalldynamiken als Vorphase des stofflichen Rückfalls vorliegen. In einem Kurzgutachten ("Zertifikat") wird nach jedem Termin detailliert, objektiv und unabhängig auf die erhobenen Befunde eingegangen und eine Beurteilung inklusive einer Stellungnahme zur Prognose (beziehungsweise zu weiteren Therapiemaßnahmen) abge­geben. Dieses Zertifikat legt der Patient Dritten als Beleg des Behandlungsverlaufs vor. Die Disziplinarinstanzen können sich auf dieser Basis ihr Urteil hinsichtlich der beruflichen Eignung und Wiedereingliederung des Patienten bilden.

Die Abschlussuntersuchung wird ein Jahr nach Beginn des Programms durchgeführt und in einem Gutachten ("Abschlusszertifikat") festgehalten, das ebenfalls den Verantwortlichen vorgelegt wird. Ist diese Untersuchung positiv verlaufen, empfehlen die Ärzte der Oberbergkliniken den aufsichtführenden Stellen und anderen Disziplinar­instanzen, die Akten zu schließen.

Vorgehen bei einem Rückfall

In manchen Fällen kommt es trotz positiven Verlaufs zum Rückfall. Kommt es dabei zu einem begrenzten Substanz­konsum ohne Rückfalldynamik („slip“ oder „lapse“), kann das Programm gegebenenfalls verlängert werden. Entwickelt sich eine echte Rückfalldynamik, wird das Programm zunächst unterbrochen, dem Patienten sollte eine stationäre Rückfallbehandlung angeraten werden. Die Oberbergkliniken bieten diese jederzeit an. Danach wird das Programm gegebenenfalls wieder aufgenommen.